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Una Noche - Eine Nacht in Havanna
Una Noche - Eine Nacht in Havanna
© trigon-film

Kritik: Una Noche - Eine Nacht in Havanna (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser spannende Film über drei Jugendliche in Havanna versteht es, in verdichteter Form sehr viel zu erzählen. Er funktioniert als Coming-of-Age-Drama ebenso wie als Geschichte einer abenteuerlichen Flucht. Vor allem aber überrascht er mit seinen atmosphärisch intensiven Beobachtungen aus dem kubanischen Alltag. "Una noche – Eine Nacht in Havanna" ist das Spielfilmdebüt der aus England stammenden Regisseurin und Drehbuchautorin Lucy Mulloy, die in New York lebt. Sie hat die Rollen der Jugendlichen mit Laiendarstellern besetzt, was die Geschichte noch authentischer wirken lässt.

Lila macht sich als Ich-Erzählerin poetisch-philosophische Gedanken über alles, was ihr begegnet. Seit ihr Bruder sie nicht mehr in seine Geheimnisse einweiht, erscheint der Jugendlichen die Welt noch rätselhafter. Die Eltern streiten, der Vater geht fremd, die hochnäsigen Mädchen im Taekwondo-Training piesacken sie mit ihrem Spott. Manchmal sieht es aus, als würde ihr Raúl gefallen können, wäre sie nicht so eifersüchtig auf ihn. Dass ihr Bruder in Raúl verliebt ist, ahnt sie zunächst nicht, und Raúl offenbar auch nicht. Erst auf dem Floß prallen die versteckten Emotionen aufeinander, während die Situation der Flüchtenden auf dem Meer immer auswegloser wird. Dieses vielschichtige Erzählen mit seinen verschiedenen, gleichzeitig verfolgten Themen kennzeichnet den interessanten Film. Er wirkt mit seiner Wirklichkeitsnähe und der jugendlichen Perspektive sowohl bedrückend, als auch energiegeladen und frisch.

Pittoreske Straßenszenen zeigen Menschen, die Musik machen und fröhlich sind, oder die Brandung, die bei Sturm auf den Asphalt schwappt. Bei so viel Dynamik vergisst man leicht, dass Kuba seine Einwohner, bevor Anfang 2013 die Ausreisebestimmungen gelockert wurden, wie Gefangene behandelte: Elio und Raúl müssen ihre Fluchtpläne sorgsam geheim halten. Was die beiden für ihren Trip brauchen, gibt es nur auf dem Schwarzmarkt, wie so vieles andere auch. Zum Beispiel bekommt Raúl die Medikamente für seine aidskranke Mutter in der Privatwohnung eines Mannes, der unter einem Bett eine regelrechte Apotheke versteckt. Die Not und die unterdrückte Verzweiflung der Menschen spielt auch in Lilas Voice-Over-Kommentaren eine wichtige Rolle. Die Perspektivlosigkeit der Jungen, die sich mit der allgemeinen Lethargie nicht abfinden wollen, schildert der gelungene Film emotional eindringlich und glaubwürdig.

Fazit: Das packende Drama über drei Jugendliche, die aus Havanna übers Meer nach Florida fliehen wollen, beeindruckt mit seinem Realismus und seiner energiegeladenen Atmosphäre.




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