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Snitch - Ein riskanter Deal
Snitch - Ein riskanter Deal
© Tobis Film

Kritik: Snitch - Ein riskanter Deal (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auch wenn das Mitwirken Dwayne Johnsons einen handfesten Actionfilm vermuten lässt, präsentiert sich Ric Roman Waughs "Snitch – Ein riskanter Deal" in erster Linie als bodenständige Thriller-Kost mit dramatischen Anklängen. Die Abwesenheit aktionsbetonter Momente sticht vor allem im ersten Drittel des Films hervor. Hier dominieren immer wieder ausführliche Gesprächsszenen, die in klassischen Schuss-Gegenschuss-Einstellungen festgehalten sind. Wirkliche Action-Akzente setzt Regisseur Waugh erst, als der Protagonist mit seinem Truck nach Mexiko fährt, um dort eine Drogenladung in Empfang zu nehmen.

Angesichts der erzählten Geschichte erscheint der wohl dosierte Action-Anteil nur konsequent. Schließlich steht im Zentrum die nachvollziehbare Verzweiflung eines Normalbürgers, der sich für die Rettung seines Sohnes in eine Extremsituation begibt. Der ansonsten stereotyp als unbeugsamer Muskelprotz inszenierte Dwayne Johnson darf hier einmal ernstere Töne anschlagen. Sein John Matthews ist keineswegs daran interessiert, die Drogen-Halbwelt aufzumischen, und lässt Rambo-Attitüden daher auch zumeist vermissen. Der vormals unbescholtene Familienvater will letztlich nur eins: Die Abmachung mit Keeghan einlösen und Jason zu einer Haftlockerung verhelfen. Seine offensichtliche Unsicherheit gegenüber dem kriminellen Milieu legt John auch dann nicht ab, als er bereits tief in den Drogensumpf eingetaucht ist. So erhält der Film einen realistischen Anstrich, der sich wohltuend von anderen, ähnlich gelagerten Hollywood-Produktionen abhebt.

Abgesehen von seiner glaubwürdigen Grundausrichtung überzeugt "Snitch" auch mit einigen präzise gesetzten Spannungsmomenten. Vor allem die Sequenzen, in denen John in direktem Kontakt mit den Gangstern rund um Malik zu sehen ist, spielen geschickt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, denn sie lassen eine ernsthafte Gefahr für die Hauptfigur immer möglich erscheinen. Leider gleitet Regisseur und Co-Autor Waugh in anderen Momenten jedoch zu sehr in melodramatische Inszenierungsweisen ab. Insbesondere die Gefängnisszenen zwischen Vater und Sohn werden durch vielsagende Nahaufnahmen und eine erdrückende Musikuntermalung unnötig aufgeladen.

Wie das Presseheft zum Film hervorhebt, nimmt das Drehbuch zwei umstrittene Aspekte des amerikanischen Strafrechts als Ausgangspunkt für seine Geschichte. So ist das titelgebende "snitching", bei dem Inhaftierte sich den Behörden als Spitzel anbieten können, um ihre Haftstrafe zu verringern, in den USA durchaus gängige Praxis. Im Film wird diese Verfahrensweise allerdings dramatisch ausgeschmückt. Denn dort ist es nicht der verhaftete Sohn, der zur Ergreifung eines anderen Dealers beiträgt, sondern sein eigentlich unbeteiligter Vater. Auch die durchaus fragwürdige Festsetzung von Mindeststrafen bei Drogendelikten wird am Beispiel Jasons in den Blick genommen. Obwohl er sich nie zuvor strafbar gemacht hat, ist eine zehnjährige Haftstrafe aufgrund der bei ihm gefundenen Drogenmenge fest vorgeschrieben. Sicherlich ist es löblich, dass sich die Macher gleich in doppelter Hinsicht kritisch mit zweifelhaften Praktiken des US-Rechtssystems auseinander setzen. Zu einem tiefschürfenden Themenfilm mutiert das Ganze aber nicht. Dafür ist die zielstrebig vorangetriebene Handlung dann doch zu sehr auf Unterhaltung getrimmt.

Fazit: Gradliniges, zumeist glaubwürdig motiviertes Thriller-Drama mit wohl dosierten Action-Momenten, das seinen Hauptdarsteller Dwayne Johnson einmal nicht als unbesiegbare Kampfmaschine inszeniert, manches Mal aber zu sehr in klischeehafte Emotionalisierung verfällt.





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