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Im Nebel (2012)

V tumane

Historiendrama: Zwei sowjetische Partisanen bekommen während des Zweiten Weltkrieges den Auftrag, einen vermeintlichen Verräter in ihren Reihen zu töten, werden aber kurz vor Vollstreckung selbst überfallen - und der einzige, der ihnen helfen kann, ist derjenige, den sie kurz zuvor noch töten wollten...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.7 / 5

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Russland 1942: Die deutsche Wehrmacht hat die westlichen Gebiete des Landes besetzt. Nach einem Sabotageakt an den Gleisen werden mehrere Männer verhaftet. Darunter auch der zu Unrecht festgenommene Bahnarbeiter Sushenya (Vladimir Svirski), der als einziger der Gefangenen nicht gehängt wird. Der deutsche Kommandant lässt ihn laufen, obwohl sich Sushenya weigerte, für die Nazis als Spitzel zu arbeiten. Eine sadistische Aktion des Kommandanten, denn unter den Seinen gilt Sushenya jetzt als Verräter, der mit einer harten Bestrafung für sich und seine Familie rechnen muss. Es dauert nicht lange und zwei bewaffnete Partisanen stehen vor Sushenyas Tür, um ihn zu erschießen. Anführer Burov (Vladislav Abashin), der den Todeskandidaten schon seit Kindertagen kennt, gewährt ihm als letzte Gnade, die Hinrichtung nicht vor den Augen von Frau und Kind sondern in der Abgeschiedenheit des Waldes durchzuführen. Gemeinsam begeben sich die drei Männer auf den Todesmarsch durch den Wald. Doch kurz bevor der tödliche Schuss fällt, werden sie überfallen. Burov wird dabei schwer verwundet, während sein feiger Mitstreiter Voitik (Sergeï Kolesov) schnell das Weite sucht. Sushenya nimmt sich des Verletzten an. Er kümmert sich damit selbstlos um jenen Mann, der ihn kurz zuvor noch hinrichten wollte. Kurze Zeit später ist das ungleiche Trio wieder vereint und irrt bei seiner Flucht gemeinsam durch den Wald.

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Filmkritik

"Im Nebel" ist der zweite Spielfilm des in Berlin lebenden ukrainischen Filmemachers Sergei Loznitsa, der sich ab Ende der 90er-Jahre einen Namen als Regisseur von Dokumentarfilmen über die sowjetische Geschichte machte. Sein Erstling "Mein Glück" (2010) lief im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes und wurde von der Kritik euphorisch aufgenommen. Auch mit "Im Nebel" ging Loznitsa in Cannes an den Start und erhielt in diesem Jahr für seinen Film immerhin den Preis der internationalen Kritik. In schleichendem Tempo und mit einer ungemein ruhigen, fast behäbigen Erzählweise liefert er eine fesselnde Parabel über Moral und menschliche Abgründe in Zeiten des Kriegs. "Im Nebel" ist weniger ein klassischer Kriegsfilm oder Schlachtenepos als vielmehr ein stilles Drama über die Folgen von Gewalt und Unterdrückung, getaucht in hypnotische, melancholische Bilder.

"Im Nebel" funktioniert als psychologisches Drama vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs vor allem aufgrund seiner extrem minimalistischen Inszenierung, die eine allgegenwärtige bedrückende Stimmung und Atmosphäre zur Folge hat. Dies zeigt sich schon bei der langen Sequenz zu Beginn des Films: gleichgültig und emotionslos beobachtet die Kamera, wie mehrere Männer gehängt werden, weil sie einen Zug sabotiert haben. Dieser kühle, karge Inszenierungsstil zieht sich in Form von langen Einstellungen ohne viele Schnitte durch den gesamten Film. Auch das Erzähltempo passt sich dem ruhigen Stil des Films an. Der Film schleicht in gemächlichem Tempo voran und passt sich somit seinen Protagonisten an, die sich den beschwerlichen Weg durch den düsteren Wald bahnen. Die langsame Erzählweise sorgt mitunter dafür, dass einem die 130 Minuten Laufzeit extrem langatmig vorkommen. Dennoch gelingt es dem Film mühelos, beim Zuschauer ein Gefühl des Verlorenseins in einer menschenfernen Natur – dem Wald – hervorzurufen.

Die bedrohliche Stimmung wird noch verstärkt, in dem "Im Nebel" nahezu über den kompletten Zeitraum ohne Musik auskommt. Für den Zuschauer bleiben als akustische Signale lediglich das unheilvolle Rauschen der Blätter im Wind und das weit entfernte Zwitschern der Vögel. Auch an dieser Stelle zeigt sich der Minimalismus, den Regisseur Loznitsa walten ließ. Geschickt kombiniert er zudem die Ereignisse der Gegenwart mit drei Rückblenden in die Vergangenheit, die aufzeigen, wie die drei Männer in diese missliche Lage hineingeraten konnten. Die Rückblenden zeigen, wie aus dem aufrichtigen und unbescholtenen Burov ein Partisan wurde, der sich gleichermaßen gegen die deutschen Besatzer und die eigenen Landsleute wandte. Und sie machen deutlich, dass Voitik im Grunde nichts weiter ist als ein harmloser, unpolitischer Feigling, der nur durch dumme Zufälle in den Strudel aus Gewalt und Verbrechen hineingezogen wurde. Die Art und Weise der Inszenierung lässt den drei Hauptdarstellern dabei viel Raum zur Entfaltung, den sie nutzen, um vor allem durch Gestik und Mimik die Schrecken der Ereignisse deutlich zu machen. Denn diese spiegeln sich unverkennbar in ihren Gesichtern wieder.

Fazit: "Im Nebel" ist ein erschütterndes Drama über die Frage nach Moral und Schuld in Zeiten des Kriegs, das mit seiner minimalistischen, kargen Inszenierung voll ins Mark trifft.




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Land: Russland, Weißrussland, Niederlande, Lettland, Deutschland
Jahr: 2012
Genre: Drama, Historie
Länge: 127 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 15.11.2012
Regie: Sergei Loznitsa
Darsteller: Sergey Russkin, Boris Kamorzin, Vlad Ivanov
Verleih: Neue Visionen

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