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Kritik: Im Nebel (2012)


"Im Nebel" ist der zweite Spielfilm des in Berlin lebenden ukrainischen Filmemachers Sergei Loznitsa, der sich ab Ende der 90er-Jahre einen Namen als Regisseur von Dokumentarfilmen über die sowjetische Geschichte machte. Sein Erstling "Mein Glück" (2010) lief im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes und wurde von der Kritik euphorisch aufgenommen. Auch mit "Im Nebel" ging Loznitsa in Cannes an den Start und erhielt in diesem Jahr für seinen Film immerhin den Preis der internationalen Kritik. In schleichendem Tempo und mit einer ungemein ruhigen, fast behäbigen Erzählweise liefert er eine fesselnde Parabel über Moral und menschliche Abgründe in Zeiten des Kriegs. "Im Nebel" ist weniger ein klassischer Kriegsfilm oder Schlachtenepos als vielmehr ein stilles Drama über die Folgen von Gewalt und Unterdrückung, getaucht in hypnotische, melancholische Bilder.

"Im Nebel" funktioniert als psychologisches Drama vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs vor allem aufgrund seiner extrem minimalistischen Inszenierung, die eine allgegenwärtige bedrückende Stimmung und Atmosphäre zur Folge hat. Dies zeigt sich schon bei der langen Sequenz zu Beginn des Films: gleichgültig und emotionslos beobachtet die Kamera, wie mehrere Männer gehängt werden, weil sie einen Zug sabotiert haben. Dieser kühle, karge Inszenierungsstil zieht sich in Form von langen Einstellungen ohne viele Schnitte durch den gesamten Film. Auch das Erzähltempo passt sich dem ruhigen Stil des Films an. Der Film schleicht in gemächlichem Tempo voran und passt sich somit seinen Protagonisten an, die sich den beschwerlichen Weg durch den düsteren Wald bahnen. Die langsame Erzählweise sorgt mitunter dafür, dass einem die 130 Minuten Laufzeit extrem langatmig vorkommen. Dennoch gelingt es dem Film mühelos, beim Zuschauer ein Gefühl des Verlorenseins in einer menschenfernen Natur – dem Wald – hervorzurufen.

Die bedrohliche Stimmung wird noch verstärkt, in dem "Im Nebel" nahezu über den kompletten Zeitraum ohne Musik auskommt. Für den Zuschauer bleiben als akustische Signale lediglich das unheilvolle Rauschen der Blätter im Wind und das weit entfernte Zwitschern der Vögel. Auch an dieser Stelle zeigt sich der Minimalismus, den Regisseur Loznitsa walten ließ. Geschickt kombiniert er zudem die Ereignisse der Gegenwart mit drei Rückblenden in die Vergangenheit, die aufzeigen, wie die drei Männer in diese missliche Lage hineingeraten konnten. Die Rückblenden zeigen, wie aus dem aufrichtigen und unbescholtenen Burov ein Partisan wurde, der sich gleichermaßen gegen die deutschen Besatzer und die eigenen Landsleute wandte. Und sie machen deutlich, dass Voitik im Grunde nichts weiter ist als ein harmloser, unpolitischer Feigling, der nur durch dumme Zufälle in den Strudel aus Gewalt und Verbrechen hineingezogen wurde. Die Art und Weise der Inszenierung lässt den drei Hauptdarstellern dabei viel Raum zur Entfaltung, den sie nutzen, um vor allem durch Gestik und Mimik die Schrecken der Ereignisse deutlich zu machen. Denn diese spiegeln sich unverkennbar in ihren Gesichtern wieder.

Fazit: "Im Nebel" ist ein erschütterndes Drama über die Frage nach Moral und Schuld in Zeiten des Kriegs, das mit seiner minimalistischen, kargen Inszenierung voll ins Mark trifft.





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