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Offene Türen, offene Fenster (2011)

Abrir puertas y ventanas

Argentinisch-Schweizerisches Coming-of-Age Drama: Nach dem Tod der Großmutter leben die drei Schwestern Marina, Sofía und Violeta allein in einer Villa in Buenos Aires und sind dadurch gezwungen, erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen und ihren eigenen Weg zu finden...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

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Nach dem Tod ihrer Großmutter bleiben die drei Schwestern Marina (María Canale), Sofia (Martina Juncadella) und Violeta (Ailín Salas) alleine in deren großer Villa in Buenos Aires zurück. Sie lebten dort ohne ihre Eltern, an die nur noch ein paar Habseligkeiten erinnern. Marina studiert, Sofia aber schmeißt die Uni und jobbt, die stille Violeta hat heimlich einen Freund. Die Schwestern schauen oft zusammen fern und dösen in der Nachmittagshitze unschlüssig auf dem Sofa. Sie ahnen, dass sie das gewohnte Leben ohne die Großmutter nicht weiterführen können.

Konflikte brechen auf, zum Beispiel reagiert Sofia eifersüchtig auf Marina, für die sich der junge Nachbar Francisco (Julián Tello) interessiert. Und Violeta ist eines Tages verschwunden, nur ein Brief in der Küche informiert die Schwestern, dass sie in die Ferne reist. Sofia beginnt, das Mobiliar der Villa auszuräumen, was Marina schwer provoziert.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Tage zwischen Langeweile und Zukunftsangst, Melancholie und Sehnsucht: Die drei Schwestern Marina, Sofia und Violeta hängen allein in der großmütterlichen Villa ab wie Teenager, deren Eltern verreist sind. Das Spielfilmdebüt der argentinisch-schweizerischen Regisseurin Milagros Mumenthaler erzählt in stillen, sehr authentisch wirkenden Szenen von dem eigentümlichen Schwebezustand, der einem selbstbestimmten Aufbruch oft vorausgeht. Das alte Haus bietet den Schwestern Geborgenheit, einen Rückzugsraum, um zu träumen und sich aneinander festzuhalten. Aber zunehmend merken sie, dass seine Einrichtung und seine Antwort auf das Leben ihnen nicht mehr entspricht. Die Beziehungen der drei jungen Frauen und ihre innere Unruhe werden sehr fein beobachtet und haben dabei auch einen hohen Wiedererkennungswert. Denn der Übergang ins Erwachsenenleben und die Anziehungs- und Abstoßungskräfte innerhalb der Familie sind emotionale Erfahrungen, die man nie vergisst.

Die Ruhe und die Freiheit, die die Schwestern in der Villa auskosten, ist voller Reize. Wie Kinder stöbern sie gelegentlich in den Schränken der Großmutter, fläzen sich halbnackt auf dem Sofa, bestellen Pizza. Aber hinter der starken Bindung und der Solidarität machen sich auch Konflikte bemerkbar. Oft sind sie nur von kurzer Dauer und flauen von selbst wieder ab, aber dann geraten sich Marina und Sofia auch ordentlich in die Haare. Jede der jungen Frauen ist auf die Geheimnisse und die Eigenständigkeit der anderen eifersüchtig. Jeder Alleingang kann den fragilen Schwebezustand zerstören.

Die Inszenierung bezaubert mit ihren langen Einstellungen, in denen es kaum einen Wortwechsel gibt, sondern im Gegenteil, beredtes Schweigen herrscht. Man redet in Familien ja auch nicht ständig, und kommuniziert dennoch als Gemeinschaft. Die Gefühle der Schwestern scheinen gerade in den vielen Situationen äußerer Ruhe besonders intensiv auf. Eine herrliche Szene zeigt, wie sie nebeneinander auf dem Sofa sitzen und ein Lied hören, ohne sich anzuschauen. In jedem Gesicht spiegelt sich individuell derselbe Wirrwarr der Gefühle, mal fällt er trauriger, mal zorniger oder auch gefasster aus. Die drei Schauspielerinnen meistern jede für sich auf spannende Weise den ständigen Wechsel zwischen unschuldiger Passivität und Vorwärtsdrang.

Der Schauplatz des Films ist die Villa und der Garten, nur manchmal blickt man auf die Straße oder das Fenster des Nachbarn. Außer ihm selbst läuft sonst kaum noch jemand aus der Außenwelt vor die Kamera. Allenfalls Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und das Kommen und Gehen der Schwestern künden ansonsten davon, dass es ein Draußen gibt. Der so authentisch wirkende Film lädt zum Träumen und zum Schwelgen in erinnerten Gefühlen ein.

Fazit: Das Spielfilmdebüt der argentinisch-schweizerischen Regisseurin Milagros Mumenthaler bezaubert als eine ruhige, intensive und genau beobachtete Coming-of-Age-Geschichte dreier Schwestern im Schwebezustand zwischen familiärer Geborgenheit und Aufbruch.




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Land: Niederlande, Schweiz, Argentinien
Jahr: 2011
Genre: Drama, Coming-of-age
Länge: 99 Minuten
Kinostart: 25.09.2014
Regie: Milagros Mumenthaler
Darsteller: María Canale als Marina, Martina Juncadella als Sofía, Ailín Salas als Violeta
Verleih: One Filmverleih

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Die Regisseurin über den Film:
"Abrir puertas y ventanas" erzählt von den Beziehungen unter Geschwistern und dem Abschied von der Jugend am Ende der Adoleszenz, wenn wir den Sprung wagen [...mehr] in ein erwachsenes, selbstbestimmtes Leben. [...] Die Situation der drei Schwestern ist im argentinischen Kontext nicht außergewöhnlich. Viele Kinder sind als Folge der Militärdiktatur von ihren Großeltern aufgezogen worden. Und obwohl weder die Umstände noch das Alter der drei Schwestern in direktem Zusammenhang zu diesem Ereignis stehen, besteht eine unterschwellige Verknüpfung, weil die jüngere Geschichte im kollektiven Bewusstsein Argentiniens sehr präsent ist. [...] Dieser Debutfilm entstand aus dem Bedürfnis, eine Geschichte mit einem Bezug zu meiner Biografie, meinem Leben zu erzählen. Er erzählt von Dingen, die mich beschäftigten, als ich in Argentinien lebte, aber auch von meinen Schwestern und mir."

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