VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
The Loft
The Loft
© Universum Film © 24 Bilder © SquareOne

Kritik: The Loft (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

2008 kam der Thriller "Loft – Tödliche Affären" des Belgiers Erik Van Looy in die Kinos. Bereits zwei Jahre später folgte das niederländische Remake "Loft", an dem zwar nicht Van Looy, aber Drehbuchautor Bart De Pauw erneut beteiligt war. Erneut zwei Jahre später schnappte sich Hollywood sowohl Van Looy, als auch De Pauw für ein weiteres Remake, das jetzt wiederum zwei Jahre später als "The Loft" in die Kinos kommt. Irgendetwas muss an diesem Stoff offensichtlich dran sein, dass scheinbar jeder ein Stück vom Kuchen abhaben will. Aber hat sich das neue Remake tatsächlich gelohnt? - Das belgische Original war kein makelloses Meisterwerk vom Rang eines Hitchcock. Aber der Filme bewies, dass man das, was Hollywood macht, ebenso gut auch in der Alten Welt machen konnte. - Und das war noch bevor "Verblendung" die bis heute anhaltende Serie von skandinavischen Thrillern lostrat. Zudem zeichnete den Thriller ein für europäische Produktionen typischer Realismus aus, bei dem nichts unnötig weichgespült wurde.

Doch die Geschichte um fünf Freunde, die sich für heimliche scharfe Sexspiele ein gemeinsames Loft zulegen ist für amerikanische Verhältnisse extrem unmoralisch, während sie in Belgien keiner größeren Erklärung bedurfte. Dies ist eine der Punkte, an denen das US-Remake einen verstärkten Aufwand betreibt, um die bösen Buben soweit zu entschuldigen, dass sich auch der prüde Durchschnittsamerikaner im Mittleren Westen trotzdem mit diesen dekadenten Städtern anfreunden mag. Zugleich wird ebenfalls ganz besonders betont, dass es zu einer nur zu verständlichen Katastrophe kommen würde, sollte eine der betrogenen Ehefrauen dem liederlichen Lustgelage im Loft auf die Schliche kommen. All dies ist bezeichnend für eine das US-Remake durchziehende Verkrampftheit, die dadurch entsteht, die Story an amerikanische Verhältnisse anzupassen.

War das titelgebende Loft im Original ein leerstehendes Penthouse auf dem Dach eines vom Architekten Vincent erbauten Hauses, so ist es im Remake irgendein Apartment mit auffälligen Balkon in der Mitte eines Hochhauses in Downtown-L.A. Dies führt zu einer Reihe von kleineren inszenatorischen Schwierigkeiten. Die sind zwar nicht gravierend, zeigen aber erneut, den Verlust der Lockerheit des Original beim Einpassen des europäischen Lofts in die Welt der USA. Davon abgesehen ist "The Loft" jedoch kein schlechter Film, sondern vermag – ebenso wie zuvor das Original – sehr gut zu unterhalten. Eric Van Looy hat keine wesentlichen Änderungen vorgenommen und mit Matthias Schoenaerts sogar einen der ursprünglichen Darsteller mit über den großen Teich genommen. Doch hat der Belgier trotz seines bereits sehr stilisierten Originals manche Szenen im Remake inszenatorisch noch barocker ausgestaltet. So fällt die Eröffnung mit krachendem Blech, in Zeitlupe splitterndem Glas und Blutschlieren auf der Windschutzscheibe noch imposanter aus. Trotzdem muss man sich hierzulande fragen, weshalb man sich unbedingt das Remake ansehen sollte und nicht gleich das Original.

Fazit: Gelungenes US-Remake eines europäischen Thrillers, das nur die Frage aufwirft, weshalb man sich nicht gleich das mindestens ebenso gute Original angucken sollte.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.