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White House Down - Hauptplakat
White House Down - Hauptplakat
© Sony Pictures

Kritik: White House Down (2013)


Was wäre wenn Terroristen die amerikanische Nation (erneut) mitten ins Herz treffen würden? Nach dem schrecklichen Attentat vom 9. September 2001, dass beinahe dreitausend Menschenleben forderte und die Bürger des mächtigsten Landes der Erde tief traumatisierte, baumelt dieses Damoklesschwert schier unablässig herab. Filmemacher greifen dieses Motiv in der einen oder anderen Form immer wieder auf. Nicht selten handelt es sich um düstere Werke, die mit den Ängsten der Menschen spielen oder um Verarbeitungsstreifen, die aus dem Furchtbaren einen Sinn herauszuextrahieren versuchen.

Der Terroranschlag von 9-11 lastet schwer auf Amerika. Keiner nimmt das Geschehene auf die leichte Schulter. Dennoch findet sich in Hollywood ein Regisseur, der diese Vorlage trotzdem (ungestraft) und kaum reflektiert in einem kurzweiligen Actioner verwursten darf – und die Fangemeinde applaudiert. Der gebürtige Schwabe Roland Emmerich atomisierte bereits in "Independence Day" die altehrwürdigsten Bauten der USA, darunter auch das Kapitol; und in "2012" ließ er gleich komplett die ganze Welt untergehen. In seinem aktuellen Film, "White House Down", orientiert er sich an solchen Vorbildern wie "Stirb Langsam", die Handlung wird allerdings in die Zentrale der amerikanischen Politik, den Präsidentensitz, verlegt. Dieser wird kurzerhand von einer Schar ebenso gewiefter wie skrupelloser Söldner in seine Hand gebracht. Selbst der Präsident, gespielt von Jamie Foxx ("Django Unchained"), wäre beinahe in die Fänge der Verbrecher gelangt, gäbe es nicht einen weißen Ritter, der es alleine mit der Übermacht aufzunehmen bereit ist. Sicherheitsmann John Cale, den Alphamännchen und Ex-Stripper Channing Tatum ("Magic Mike") geben darf, ist schon zur Stelle. Kurz zuvor war er mit seiner Bewerbung beim Secret Service gescheitert und eigentlich wollte er mit seiner Tochter Emily (Joe King), einem frühpubertierenden Wildfang mit nahezu enzyklopädischem Wissen über die Historie des Weißen Hauses, lediglich an einer Führung teilnehmen; nun aber lastet eine ganz andere Verantwortung auf seinen gestählten Schultern.

Rasant nimmt das Geschehen in der Folge Fahrt auf. Emmerich versteht es kurzweiliges Action-Kino abzuliefern, dass geradezu dazu einlädt, wenig zu hinterfragen. Nicht völlig unintelligent schlägt der Film überdies noch ein paar Haken, bis kurz vor dem Show Down noch eine halbwegs überraschende Auflösung aus dem Zylinder gezaubert wird. Zudem weiß der Regisseur ganz genau, wie man auf der Klaviatur amerikanischer Emotionen spielt; an welcher Stelle Pathos gefragt ist; oder wann auf die Tränendrüse gedrückt werden muss. Seine Helden sind fast ausnahmslos Vorzeigepatrioten; die Schurken überwiegend käufliche Mörder, Psychopathen oder Fahnenflüchtige.

Letzteres, sowie eine selten aufblitzende Ironie, mildern den penetrant vaterländischen Ton zumindest ein wenig ab, der das europäische Gemüt bisweilen über Gebühr zu strapazieren droht. Beinahe hätte sich final dann noch ein Funke Selbstkritik in den gewollt-ungewollten Obama-Werbespot verirrt; fast hätte man vermeint, es würde kurz innegehalten um darüber nachzudenken, dass die Kriege die Amerika führt, auch in der Mitte der eigenen Gesellschaft Feinde produzieren können - doch dann bleibt die bittere Erkenntnis, dass dies kaum mehr als Fehlgeleitete oder Abgefallene sein können, die schlichtweg vergessen haben, dass auf dem Altar der Freiheit jeder für die gemeinsame Sache sein Blutopfer erbringen muss.

Fazit: Wirklich neu ist an "White House Down" wenig. Dafür, dass er eine nicht zu leugnende Verwandtschaft mit den kultigen John McLane-Streifen aufweist, wirkt Emmerichs Actioner aber deutlich zu aufgeräumt. Die Guten sind nach stundenlangem Überlebenskampf kaum durchgeschwitzt, und selten stellt sich das Gefühl ein, das Ganze hätte nach hinten losgehen können. An der reinen Action-Show gibt es handwerklich aber wenig auszusetzen.




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