VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes
Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes
© Concorde

Kritik: Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Spukschlösser und -häuser sind ein beliebtes Motiv in der phantastischen Literatur, das besonders im 19. Jahrhundert weite Verbreitung fand. Da verwundert es kaum, dass die von Geistern heimgesuchten Anwesen auch im neu aufkommenden Medium Film schnell Einzug hielten. Das haunted house verströmt auf der großen Leinwand aber nicht nur Angst und Schrecken, schon in Buster Keatons gleichnamiger Komödie aus dem Jahr 1921 besorgte es die komischen Momente. Im Lauf der Filmgeschichte war es immer wieder für Horrorfilme und Komödien von "Shining" (1980) über "High Spirits" (1988) bis zu "Das Waisenhaus" (2007) gut.

Nun wird das Motiv in "Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes" bereits zum zweiten Mal bemüht. Gegenüber der Fortsetzung hatte der erste Teil jedoch zwei eklatante Vorteile: Mit Daniel Radcliffe und Ciarán Hinds waren tragende Rollen mit Schauspielern aus der ersten Reihe besetzt, allen voran der ehemalige Harry Potter-Darsteller als Zugpferd. Und durch die zeitliche Verortung der Geschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte der Film in einer Zeit des Übergangs, die viel zur düsteren Atmosphäre beitrug. Den von Aberglauben geprägten Dorfbewohnern der kleinen Gemeinde Cryphin Gifford, die der Schauerliteratur des frühen 19. Jahrhunderts näherstehen als der Moderne, setzte "Die Frau in Schwarz" den am technischen Fortschritt zweifelnden Städter entgegen.

Diese beiden Aspekte gehen der Forstsetzung ab. Der Konflikt zwischen feindselig gestimmten Dorfbewohnern und den Neuankömmlingen aus der Stadt fehlt ganz. Denn das Dorf ist bis auf einen mysteriösen Blinden verlassen. So konzentriert sich "Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes" (zunächst) auf das Haus im Marschland. Im Grunde keine schlechte Wahl. Vor der Folie des Zweiten Weltkriegs hätte daraus immer noch ein nervenzehrendes Kammerspiel werden können. Doch die Epoche ist völlig austauschbar. Das Drehbuch nutzt den Krieg lediglich als erzählerische Krücke, um dem titelgebenden Geisterwesen neue Opfer zu liefern. Eine vertane Chance und nicht die einzige Schwäche des Drehbuchs.

Was als atmosphärisch dichte Gruselgeschichte mit der ein oder anderen wohl komponierten Einstellung beginnt, fällt in der zweiten Hälfte erzählerisch auseinander. Zuvor zweifelnde Figuren sind ohne klare Beweise viel zu schnell von der Existenz der Frau in Schwarz überzeugt, Ereignisse überschlagen sich, nur um die zerfahrene Handlung zu einem Ende zu bringen. Die Hauptdarsteller kämpfen sichtlich bemüht dagegen an, vermögen die Lücken aber nicht zu überspielen.

Was den Grusel betrifft, offenbart "Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes" die gleichen Schwächen wie schon der erste Teil und wie so viele Horrorfilme. Anstatt die Zuschauer durch die Erzählung und eine gelungene Mise en Scène zu (er-)schrecken, greift "Die Frau in Schwarz 2" auf schrille Schockeffekte in Form von lauten Soundeffekten, überraschendem Musikeinsatz und unerwartet im Bild auftauchenden Menschen und Gegenständen zurück. Statt darauf zu vertrauen, dass sich der Horror vor den Augen des Zuschauers auch langsam entfalten kann, kommt er immer wieder urplötzlich und dadurch für das erfahrene Publikum völlig vorhersehbar um die Ecke.

Fazit: Atmosphärisch dichter Horrorfilm, der mit zunehmender Dauer jedoch zusehends an Dichte verliert und am Ende auseinanderfällt. Für Fans des Spukhaushorrors und diejenigen, die bereits den ersten Teil mochten.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.