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Das hält kein Jahr ...!
Das hält kein Jahr ...!
© Studiocanal

Kritik: Das hält kein Jahr..! (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Name Dan Mazer ist vor allem mit den kontrovers aufgenommenen Filmen rund um Sacha Baron Cohen verbunden. Ob "Borat", "Brüno" oder "Der Diktator", als Autor und Produzent prägte Mazer den provokanten Ton dieser Werke in erheblichem Maße. Was passiert, wenn dieser Mann sich nun einer romantischen Komödie zuwendet? Ein spannende Frage, denn der Brite zeichnete nicht nur für das Drehbuch zu "Das hält kein Jahr" verantwortlich, sondern nahm auch auf dem Regiestuhl Platz. Angesichts dieser umfassenden Verantwortung ist es wenig verwunderlich, dass der Film eindeutige Spuren seiner früheren Werke enthält. Derber und bisweilen unter die Gürtellinie zielender Humor war schon in "Borat" oder "Brüno" zentraler Bestandteil, und so spart Mazer auch in seinem Regie-Debüt nicht mit schlüpfrigen und an der Grenze zum Geschmacklosen operierenden Witzen. Insgesamt kommen diese Gags aber etwas geerdeter daher, da sie in ein abwechslungsreiches Pointen-Feuerwerk eingebunden sind. Auf zotige Wortwitze oder höchst peinliche Situationen folgen zwischendurch auch subtilere Wortgefechte. So kommen neben Liebhabern des Brachialhumors auch solche Zuschauer auf ihre Kosten, die weniger an derbem Witz interessiert sind.

Dass die Figuren nicht ins Lächerliche kippen, liegt vor allem an den Leistungen der Darsteller. Rose Byrne und Rafe Spall tragen ihre ständigen Diskussionen mit einer derart offensichtlichen Spielfreude aus, dass man sich als Zuschauer oftmals direkt in diesen kleinen "Ehekrieg" versetzt fühlt. Doch nicht nur die beiden Hauptdarsteller präsentieren sich gut aufgelegt. Vor allem Stephen Merchant als Joshs bester Freund Danny hat immer wieder die Lacher des Publikums auf seiner Seite. Was ihm das Drehbuch an Peinlichkeiten in den Mund legt und mit welcher Selbstverständlichkeit Merchant diese zum Besten gibt, ist äußerst unterhaltsam. Neben Danny sticht unter den vielen schrägen Nebenfiguren auch die Eheberaterin Linda (Olivia Colman) hervor. Obwohl bereits in der ersten Therapie-Szene erkennbar ist, dass Nat und Josh hier einem Nervenbündel gegenüber sitzen, sind die späteren skurrilen Ausbrüche der Eheberaterin keineswegs vorhersehbar oder langweilig.

Regisseur und Autor Dan Mazer hat in öffentlichen Erklärungen immer wieder betont, dass er mit "Das hält kein Jahr" das Genre der romantischen Komödie auf den Kopf stellen wollte. Sicherlich ist die Ausgangsidee erfrischend anders. Immerhin erhält der Zuschauer einen Einblick in das Leben eines Paares, das augenscheinlich nicht zusammenpasst und für das eine Trennung daher sinnvoll wäre. Auch wenn der Film seine Geschichte also unter umgekehrten Vorzeichen erzählt, kann er sich letztlich nicht von genre-üblichen Versatzstücken lösen. Mazer sprengt durch seinen wenig zimperlichen Humor zwar immer wieder die Grenzen der klassischen romantischen Komödie, bleibt dem Genre aber in seiner Haltung – jeder Mensch muss für sein wahres Glück nur ausreichend kämpfen – sehr stark verhaftet.

Fazit: Mit enorm hoher Gag-Dichte versehene, zwischen Konvention und Innovation pendelnde Komödie vor romantischem Hintergrund, die nur in wenigen Momenten mit ihrem Humor über das Ziel hinausschießt.





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