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Kritik: Kuma (2012)


"Kuma" ist das Langfilm-Debüt des türkisch-stämmigen Regisseurs Umut Dag, der in Wien aufwuchs und mit seinem Film im vergangenen Jahr die Sektion "Panorama" der Berlinale eröffnete. "Kuma" schildert das Leben und Leiden einer in Wien lebenden türkischen Familie, die in ihrem alltäglichen Leben zwischen Tradition und Moderne hin- und hergerissen ist. Darüber hinaus hinterfragt der Film die emotionalen Bindungen und Wirrungen innerhalb dieser Familie ebenso wie die klaustrophobische Enge eines von der Außenwelt abgeschotteten Familienlebens. "Kuma" ist ein intensives Kammerspiel mit starken Darstellern, das erzählerische Schwächen durch die dichte Inszenierung ausgleicht.

Schnell fühlt man sich hier als Zuschauer extrem beengt und eingeschränkt durch das hermetisch von der Außenwelt abgeschirmte, von Traditionen und Verboten bestimmte Leben der türkischen Familie. Man fühlt mit der Hauptfigur Ayse, die ihrem Schicksal, für eine sie ignorierende Familie zu sorgen, machtlos ausgeliefert scheint. Sie darf nur in Ausnahmefällen die Wohnung verlassen und fühlt sich bereits nach wenigen Tagen bei der Familie wie in einem Gefängnis innerhalb einer klaustrophobischen Parallelwelt, in der man weder Wien noch jemals einen Österreicher sieht, und in der nur türkisch gesprochen wird. Und so funktioniert auch "Kuma" – als ungemein dicht inszeniertes, stark gespieltes Kammerspiel mit einer tragischen Hauptfigur, gefangen in einem Mikrokosmos, der wie ein kleines Dorf in der anatolischen Heimat von Ayse funktioniert.

Schade hingegen ist, dass Regisseur Dag alleine dem darstellerischen Potential und der spannenden Thematik seines Films wohl nicht allzu viel zutraute. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Film immer wieder unerwartete, teils unglaubwürdige Wendungen und Twists nimmt, die für die Gesamtwirkung und Kernaussagen des Films eher unbedeutend und Fehl am Platze scheinen. Auch nimmt der Film immer wieder neue Inhalte in seinen Themenmix auf, die am Ende leider nur unzureichend und nicht konsequent zu Ende gedacht werden. Ein Beispiel hierfür wäre die Thematik der Homosexualität in türkischen Familien. So schnell wie Dag dieses Thema aufkommen lässt, so schnell verschwindet dies auch wieder in der filmischen Versenkung. Das ist schade. Zum Glück jedoch verfügt "Kuma" mit Begüm Akkaya und Vedat Erincin über zwei herausragende Darstellerinnen, deren Chemie sich auf der Leinwand als essentiell erweist, um die Geschichte voranzutreiben.

Fazit: Zwei bestechend agierende Hauptdarstellerinnen und die Kammerspielartige, bedrückend dargestellte Enge der Familienverhältnisse machen "Kuma" zu einem sehenswerten, intensiven Familien-Drama trotz einiger unnötiger Wendungen.





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