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Fliegende Liebende
Fliegende Liebende
© Tobis Film

Kritik: Fliegende Liebende (2013)


Hoch über den Wolken Spaniens scheint die Freiheit wahrlich grenzenlos zu sein. Zumindest suggeriert uns dies der spanische Ausnahmeregisseur Pedro Almodóvar in seinem neusten Werk "Fliegende Liebende"(Los amantes pasajeros). Dass sich Almodóvar neben seinen eher dramatischen Filmen wie "Die Haut, in der ich wohne"auch auf Komödien versteht, hat er bereits 1988 mit seinem erfolgreichen Film "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs"bewiesen. Leider kann "Fliegende Liebende"qualitativ diesem nicht das Wasser reichen.

Der Film beginnt bei der Vorbereitung des Flugzeuges zum Start. Hier trifft man kurz auf die spanischen Starschauspieler Penelope Cruz und Antonio Banderas als verliebtes Pärchen, die für den folgenschweren Fehler verantwortlich sind, der das Flugzeug die nächsten einundneunzig Minuten über der iberischen Halbinsel festhalten soll. Eine Landung ist nicht möglich und so setzen die quirligen, schwulen Stewards die Passagiere der Economy Class mit Schlaftabletten außer Gefecht um eine unnötige Massenpanik zu vermeiden. Dem Film tut diese Einlage gut, da die Handlung nun eher einem Kammerstück gleicht. Die Passagiere der Business Class und die Crew sind die Protagonisten. Dabei handelt es sich um eine bunte Truppe, die beflügelt von Alkohol und einem Meskalin-Cocktail eine Orgie vollführt, das scheinbar nahende Ende vor Augen. Einziger Draht zur "Realität"ist das Bordtelefon, das aufgrund eines weiteren Defektes jedes Gespräch laut über die Bordanlage überträgt. Darüber wird man auch Zeuge einer gelungenen typisch almodóvarischen Szene. Der treulose Schauspieler Ricardo (Willy Toledo) telefoniert mit seiner labilen Ex-Geliebten Alba (Paz Vega), die gerade im Begriff ist, sich von einer Brücke zu stürzen. Während des Telefonats lässt diese jedoch das Handy fallen und es landet genau im Korb der unter der Brücke entlangfahrenden Ruth (Blanca Suárez), ebenfalls Geliebte von ihm, die das Gespräch weiterführt. Des Weiteren kommt der korrupte und skrupellose Manager Señor Más (José Luis Torrijo) wieder ins Gespräch mit seiner Tochter, zu der er schon lange keinen Kontakt mehr hat. Eine Erotikikone (Cecilia Roth), ein Auftragskiller und eine Hellseherin, die dem Ende ihrer Jungfräulichkeit entgegenfiebert, runden das Ensemble ab. Während die schrillen Stewards mit Slapstick, Karaoke und Tanzeinlagen die Surrealität auf die Spitze treiben.

Obwohl im Film nicht explizit erwähnt, spielt die Krise, die gerade auch in Spanien stark zu spüren ist, eine tragende Rolle. Seien es die Passagiere der Economy Class, das "normale Volk“, die schläfrig als Statisten der vielleicht kommenden Katastrophe beiwohnen, während die Passagiere der Business Class einen Tanz auf dem Vulkan vollführen. Notgelandet wird schließlich auf einem Flughafen "La Mancha"(vielleicht ein kleiner Verweis auf Don Quijchote), ein verwaister Flughafen, der nach enormen Baukosten nie in Betrieb genommen wurde. Diesen Flughafen gibt es wirklich, er heißt "Ciudad Real Flughafen"und war ein Millionengrab. Im Film ist der Manager Señor Más bezeichnender Weise dafür mitverantwortlich.

Almodóvar versucht sich in dieser Komödie an einer Vielschichtigkeit der Charaktere, ohne diesen jedoch wirklich Leben einhauchen zu können. Durchaus amüsante Szenen verhelfen dem Film leider nicht zu einer wirklich runden Sache. Zu sehr verliert sich die Handlung in überdrehtem Chaos. Aber das ist auf jeden Fall sehenswert.

Fazit: Mit einem durchaus amüsanten Film, voller exzentrischer Charaktere zeigt Pedro Almodóvar seine komödiantische Seite. Allerdings bewegt sich die Handlung zu sehr an der Oberfläche und verliert sich etwas im Klamauk.




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