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Dating Lanzelot - Plakat
Dating Lanzelot - Plakat
© barnsteiner-film

Kritik: Dating Lanzelot (2011)


Das Geschäft mit den Dating- und Sex-Portalen im Netz boomt. Statistisch gesehen ist jeder zweite Deutsche in dieser Richtung virtuell aktiv und sucht nach schnellem Sex, einem unverbindlichen Flirt oder auch der ganz großen Liebe. Das Dating über das Internet geht schnell, ist unkompliziert, anonym und zugleich DAS Thema unter Singles. Mit diesem Hype befasst sich Regisseur Oliver Rhis in seiner überdrehten, episodenhaften Komödie "Dating Lanzelot", in dem ein schüchterner Berliner Single mit Dates überschüttet wird, nachdem ihn sein Mitbewohner bei einem Online-Dating-Portal angemeldet hat. Rhis machte sich 2006 mit seinem Episodenfilm "Schwarze Schafe" einen Namen, der sich in Kino (ca. 80 000 Besucher) und auf DVD zu einem Achtungserfolg entwickelte. Diesen Erfolg versucht Rhis mit "Dating Lanzelot" nun zu wiederholen. Der Film bietet einige gelungene Ideen und Einfälle sowie frische, gut aufgelegte Darsteller. Dass "Dating Lanzelot" am Ende aber einen eher zwiespältigen Eindruck hinterlässt, liegt an seiner hastigen Inszenierung und einigen doch arg überzeichneten Charakteren.

Lanzelot (Peter Weiss) ist ein junger, sensibler Student Mitte Zwanzig - und verbittert: Seit drei Jahren hatte er keinen Sex mehr, und auch sonstige Liebeserlebnisse blieben aus. Sein Selbstwertgefühl und seine Libido sind am Boden, aber zum Glück kommt sein verrückter und draufgängerischer Mitbewohner Milan (Manuel Cortez) auf eine grandiose Idee: Er erstellt für Lanzelot ein Profil auf einer Online-Dating-Seite und betreut aktiv seinen Account, um Lanzelot fortan Frauen klar zu machen. Und die Mädels beißen an. Auf einmal kann sich Lanzelot vor Dates nicht mehr retten, doch die Rendezvous verlaufen zunächst anders als geplant. Er muss feststellen, dass die neurotischen Großstadtsingles ganz schön verrückt sind. Wird er sich durch den Date-Dschungel kämpfen und die Frau fürs Leben finden können?

"Dating Lanzelot" ist eine verrückte, frech-frivole Komödie, die ihre mindestens ebenso abgedrehten Charaktere und deren Eigenarten ganz klar ins Zentrum rückt. Nimmt man die Figuren sowie die zugrunde liegende Handlung nicht allzu ernst, erlebt man 90 bunte, unterhaltsame und kurzweilige Minuten. Alles dreht sich um das Gefühls- und Liebesleben des schüchternen Lanzelot, der dank seines so selbstbewussten wie nervtötenden Mitbewohners bald ein Date nach dem anderen hat. Die Treffen mit den Frauen bilden denn auch den dramaturgischen Faden des Films. "Dating Lanzelot" lässt sich in sieben kurze Episoden einteilen, jedes Date stellt eine Episode dar. Zu den gelungenen Momenten zählt gleich die erste Episode, wenn Lanzelot in seinem Stammcafé auf eine frustrierte Single-Mutter mit hyperaktivem Sohn trifft. Der Film ist nie wieder so gut wie in diesen ersten Minuten, die in einer der besten Szenen des Films gipfelt: der sichtlich überforderte Lanzelot soll es der gestressten Mutter auf der Café-Toilette im Eiltempo besorgen, während der Sohn vor der Tür Krawall macht. Ähnlich witzig und originell kommt das zweite Treffen mit einer jungen Frau daher, die unter einem sexuellen Trauma leidet. Dieses Date endet für Lanzelot im engen Kleiderschrank ihrer Wohnung.

In diesen Episoden bietet der Film spritzige, freche Unterhaltung. Die übrigen Dates (insgesamt sieben an der Zahl) sind im Vergleich wesentlich überzogener und reißerischer, was natürlich in erster Linie an den überspitzt dargestellten, extremen Charakteren liegt. Sei es das Treffen mit einer Frau, die mit ihren absonderlichen sexuellen Vorlieben nicht nur Lanzelot, sondern auch den Zuschauer gehörig verwirrt oder das Rendezvous mit einer gewissen Julie, die mehr in außerirdischen Dimensionen als in der realen Welt lebt. Doch wenn Lanzelot plötzlich zu Rollenspielen in Metzger-Kluft und mit Fleischer-Messer gezwungen wird, dann ist das nur noch leidlich komisch und vielmehr peinlich und geschmacklos. Neben den übertrieben dargestellten Figuren sorgt darüber hinaus die unkonventionelle Bildsprache für reichlich Verwirrung und fordert dem Zuschauer Geduld und Nerven ab. In der Schlussszene verkommt "Dating Lanzelot" nämlich sogar zum schrillen Bollywood-Kitsch mit allerlei Animationen und Farbspielereien.

Fazit: "Dating-Lanzelot" ist eine unkonventionelle, reißerische Komödie über das IN-Thema "Online-Dating" mit überspitzen Charakteren und einer gewöhnungsbedürftigen Bildsprache




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