VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Der Geschmack von Apfelkernen - Hauptplakat
Der Geschmack von Apfelkernen - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Der Geschmack von Apfelkernen (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Katharina Hagenas Romandebüt "Der Geschmack von Apfelkernen", der das Erinnern und Vergessen anhand einer generationenüberspannenden Familiensaga verhandelt, sorgte bereits bei seinem Erscheinen im Jahr 2008 für nachhaltiges Aufsehen auf dem Buchmarkt. Bis heute wurden allein in Deutschland mehr als 1,25 Millionen Exemplare verkauft, weshalb man in diesem Fall mit Fug und Recht von einem Bestseller sprechen kann. Eine Adaption des Stoffes für die große Leinwand scheint angesichts dieser Erfolgszahlen fast schon unumgänglich. Dass eine Verfilmung erst jetzt, fünf Jahre nach Veröffentlichung des Romans, in die Kinos kommt, dürfte nicht zuletzt mit der recht verschachtelten und assoziativen Erzählweise der literarischen Vorlage zusammenhängen, die eine wohl überlegte Übertragung ins filmische Medium erforderlich macht.

Gemeinsam mit Iris (äußerst überzeugend von Hannah Herzsprung dargestellt), die zu Beginn einen ziellosen und unsicheren Eindruck erweckt, taucht der Zuschauer in eine verschlungene Welt der Erinnerungen und Erzählungen ein. Parallel zur Aufarbeitung der familiären Vergangenheit kommen sich in der Gegenwart die Protagonistin und der früher von ihr verspottete Max schrittweise näher. Verhält sich Iris ihm gegenüber zunächst recht abweisend und kindisch, lernt sie seine Hartnäckigkeit mit der Zeit zu schätzen. Abseits dieser positiven Entwicklungen wird die junge Frau allerdings auch mit einer Reihe schmerzlicher Erfahrungen konfrontiert. Das Anwesen, das Iris von ihrer Großmutter erbt, fungiert nicht nur als Katalysator glücklich anmutender "Reisen" in die eigene Kindheit. Es lässt zugleich recht früh den bitteren Beigeschmack erahnen, der Erinnerungen ebenso anhaften kann. Schon bei einer der ersten Begehungen des Hauses wird Iris ganz plötzlich von Bildern übermannt, die auf ein schweres Trauma hindeuten. An dieser Stelle braucht es nicht allzu viel Filmerfahrung, um zu erkennen, dass die Auseinandersetzung mit dem dramatischen Ereignis zur Wandlung der Hauptfigur führen wird.

Auch wenn Regisseurin Vivian Naefe und die Drehbuchautoren Uschi Reich und Rochus Hahn die achronologische Struktur des Romans recht verständlich in ihren Film übertragen, ist es, bei Unkenntnis der literarischen Vorlage, nicht immer leicht, sich im umfangreichen Personenensemble zurechtzufinden. Erst nach und nach lassen sich die Beziehungen und die einzelnen Figuren, die den unterschiedlichen Zeitebenen entsprechend und von bis zu drei Darstellern verkörpert werden, eindeutig zuordnen. So überzeugend das Spiel mit den Zeitebenen zumeist auch funktionieren mag, erscheinen die einzelnen Erinnerungsfragmente und die von Iris aufgedeckten Familiengeheimnisse mitunter etwas oberflächlich und rührselig. Dass die meisten Verwicklungen konventioneller Natur sind – unter anderem geht es um unerfüllte Liebe und eifersüchtige Intrigen –, ist an sich nicht problematisch, derart verkürzt kommen sie jedoch nur selten über das Niveau gewöhnlicher Fernseh-Soaps hinaus.

Bezeichnenderweise ist "Der Geschmack von Apfelkernen" auch auf formaler Ebene eher schematisch geprägt. Trotz einiger bitterer Erkenntnisse, die Iris im Verlauf des Films gewinnt, wird die Welt der Vergangenheit größtenteils in lichtdurchfluteten Bildern eingefangen. Eine Darstellungsweise, die angesichts des grundsätzlich nostalgischen Charakters von Erinnerungen durchaus üblich ist. Das Trauma, das die Protagonistin bislang verdrängt hat, ist dann schließlich in äußerst dunklen Farben gezeichnet, tragen sich die verheerenden Ereignisse doch in einer stürmischen Nacht zu.

Fazit: Die Verfilmung des Bestsellers "Der Geschmack von Apfelkernen" bietet dramatisch angereichertes Wohlfühlkino, das mitunter Tiefgang vermissen lässt und einige Male die Kitschgrenze streift, gleichwohl mit einer bestens aufgelegten Hauptdarstellerin aufwarten kann.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.