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Narziss und Goldmund (2020)

Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Hermann Hesse.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.7 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 10 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Im mittelalterlichen Kloster Mariabronn lernen sich die beiden Klosterschüler Narziss (Oskar von Schönfels) und Goldmund (Jeremy Miliker) kennen. Narziss, der Mönch werden will, vergräbt sich am liebsten in religiöse Schriften. Aber nun soll er sich um den Neuling Goldmund kümmern. Dieser wurde von seinem Vater gebracht, aus Wut über die weggelaufene Mutter, die der Vater eine Hure nennt. Der fröhliche, kindliche Goldmund lockt den kopfbetonten Narziss aus der Reserve und die beiden gegensätzlichen Jungen werden Freunde.

Sieben Jahre später trennen sich die Wege von Narziss (Sabin Tambrea) und Goldmund (Jannis Niewöhner). Schweren Herzens muss Narziss seinen Freund, der sich nach der Liebe der Frauen und der unbekannten Mutter sehnt, ziehen lassen. 15 Jahre später laufen sich die beiden Männer wieder über den Weg. Narziss ist Abt des Klosters geworden, Goldmund wurde vom Fürsten (Georg Friedrich) in den Kerker geworfen, nachdem man ihn im Zimmer der Fürstin (Elisa Schlott) aufgegriffen hatte. Narziss befreit Goldmund mit einer List und holt ihn zur Erholung ins Kloster.

Weil Goldmund eine Ausbildung beim Meisterbildhauer Niklaus (Uwe Ochsenknecht) durchlaufen hat, bietet er an, dem Kloster einen neuen Altar zu bauen. Er erzählt Narziss von seinen Abenteuern, seiner Liebe zu Lene (Henriette Confurius) und der Suche nach seiner Mutter. Doch dem Mönch Lothar (André M. Hennicke) passt die Anwesenheit des weltlichen Goldmund im Kloster nicht.

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Narziss und GoldmundNarziss und Goldmund - Sabin Tambrea und Jannis NiewöhnerNarziss und GoldmundNarziss und GoldmundNarziss und GoldmundNarziss und Goldmund


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Hermann Hesses 1930 veröffentlichte Erzählung "Narziss und Goldmund" begeisterte Generationen junger Leser und Leserinnen, besonders auch in den jugendbewegten 1960er und 1970er Jahren. Nun hat der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky ("Die Fälscher"), der zusammen mit seinem Co-Autor Robert Gold auch das Drehbuch schrieb, die im Mittelalter spielende Geschichte über zwei gegensätzliche Freunde verfilmt. Man durfte gespannt sein, ob er der schwierigen Vorlage, in der die beiden Hauptcharaktere idealtypisch die geistige und die sinnliche Erfahrung des Lebens verkörpern, eine zeitgemäße, das Schwülstige umschiffende Interpretation zu geben vermag.

Es gelingt dem Film, die Freundschaft von Narziss und Goldmund glaubhaft und reizvoll wirken zu lassen. Schon am Anfang, als sich die beiden Kinder in der Klosterschule kennenlernen, schafft es Ruzowitzky mit wenigen, prägnanten Szenen, das starke Band zu zeigen, das sich zwischen ihnen entwickelt. Die beiden Kinderdarsteller spielen einfach hervorragend. Auch Sabin Tambrea als erwachsener Narziss, Jannis Niewöhner als erwachsener Goldmund können überzeugen. Tambrea nimmt man den völlig der Religion, der Reinheit und Erhabenheit des Glaubens zugewandten Narziss ohne weiteres ab, denn er wirkt dabei so unschuldig wie leidenschaftlich. Niewöhner macht sich gut als Liebling der Frauen, der so leicht zu begeistern ist, so sehr für die Liebe entbrennt und doch immer auf der Suche bleibt.

Starke Momente entstehen, wenn Narziss ein-zweimal spürt, dass er Gott mit dem Empfinden irdischer Liebe für Goldmund untreu werden könnte. Doch Ruzowitzky hält sich beim Thema Homosexualität dann doch stark zurück. Die vielen Rückblenden, die Goldmunds Reisen gelten, entwickeln wenig Spannung. Goldmund hätte ruhig noch unsteter, Narziss noch vergeistigter sein können. Mit den vielen namhaften Darstellern und auch mit der reichen Ausstattung vermag der Film ansprechend zu unterhalten. Mit einem aufgewerteten Frauenbild, das ganz zeitgemäß der besonders die Frauen diskriminierenden Körperfeindlichkeit der Kirche entgegengehalten wird, wirkt er sogar ein wenig modern. Aber er verliert unterwegs an Schwung und achtet zu wenig darauf, wozu er diese ganze Handlung erzählt.

Fazit: Stefan Ruzowitzkys Verfilmung der klassischen Erzählung von Hermann Hesse über die gegensätzlichen Wege zweier Freunde, die in einem mittelalterlichen Kloster aufgewachsen sind, widmet sich der Vorlage aus einer frischen, unverkitschten Perspektive. Dafür sorgen die glaubhaft gezeichneten Hauptcharaktere, die sowohl von den beiden Kinderdarstellern, als auch von Sabin Tambrea und Jannis Niewöhner in den Erwachsenenrollen überzeugend gespielt werden. Auch die vielen namhaften Darsteller in den Nebenrollen sowie das Gespür für die historische Epoche sorgen für einen gelungenen, ansprechenden Unterhaltungsfilm. Dennoch lässt der Film im Verlauf der Handlung eine klare eigene Linie, einen aufregenden oder bewegenden Ausdruckswillen vermissen.




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Land: Deutschland, Österreich, Tschechien
Jahr: 2020
Genre: Drama
Länge: 118 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 12.03.2020
Regie: Stefan Ruzowitzky
Darsteller: Roxane Duran, Emilia Schüle, Jannis Niewöhner
Verleih: Sony Pictures

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