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Der Teufelsgeiger - Plakat
Der Teufelsgeiger - Plakat
© Universum Film

Kritik: Der Teufelsgeiger (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Geiger David Garrett ist ein Star, der mit seiner Fusion aus Rock und Klassik ein Millionenpublikum erreicht. Anders, als viele Popsternchen sieht der 32-jährige Deutschamerikaner sieht nicht nur verteufelt gut aus, sondern beherrscht auch noch sein Instrument besser, als die meisten anderen. Der Italiener Niccolò Paganini soll hingegen äußerlich weit weniger attraktiv gewesen sein. Dafür war er der unbestrittene Meistergeiger und sogar der berühmteste Musiker seiner Zeit. Was Paganini an Schönheit fehlte, machte er an Charisma wett. Außerdem war er auch ein Meister der Selbstvermarktung. Nachdem Paganini einmal den Titel eines Teufelsgeigers bekommen hatte, machte er das Diabolische zu seinem Markenzeichen. So trat er ganz in Schwarz bekleidet auf und reiste bevorzugt in einer Totenkutsche. Paganini fuhr mit der Kutsche die ganze Nacht hindurch von einer europäischen Stadt zur nächsten, damit die Menschen dachten, er bewege sich tatsächlich auf magische Weise und sei mit dem Teufel im Bund.

Der Autor und Regisseur Bernard Rose hat mit "Der Teufelsgeiger" nur die Episode aus Paganinis Leben verfilmt, in welcher der Violinist die höchste Stufe seines Ruhms erreicht. Die deutsch-italienische Koproduktion kann von ihrer Ausstattung her problemlos mit historischen Filmen aus Hollywood mithalten. Auch das Schauspielensemble spielt insgesamt fabelhaft. Allen voran gelingt Jared Harris ("Lincoln", 2012) eine grandiose Performance als diabolischer Paganini-Manager. Trotzdem kann selbst sein Urbani letzten Endes nicht ganz überzeugen. Das liegt jedoch keineswegs an diesem hervorragenden Schauspieler, sonder an der Unentschiedenheit des Drehbuchs von Bernard Rose. Diesem Buch zufolge könnte Urbani tatsächlich der Leibhaftige sein, aber vielleicht auch einfach nur ein teuflisch berechnender Geschäftsmann. Das Ergebnis ist leider keine interessante Doppeldeutigkeit, sondern schlicht weder Fisch noch Fleisch.

Dafür ist David Garrett als Paganini umso ambivalenter. Immer wenn der Musiker die Geige ergreift gelingt es ihm durchaus etwas von der berüchtigten Faszination Paganinis zu vermitteln. Doch in fast allen Schauspielszenen bleibt Garrett nicht nur ziemlich blass, sondern wirkt zumeist auch eher soft, als teuflisch. Fast wirkt es, als ob der Geiger, der als David Garrett in der Regel äußerst selbstbewusst bis arrogant auftritt, in seiner Rolle als Paganini zeigen will, dass er eigentlich ein richtig netter Kerl ist. So verschwindet der Star David Garrett niemals hinter dem Menschen, den er eigentlich spielen soll, weshalb sein "Teufelsgeiger" stets nur behauptet bleibt. Teuflisch gut ist Garrett nur, wenn er die Konzertbühne betritt. Doch selbst da kann er es sich nicht verkneifen dies durch das Publikum gehend zu tun, wie er es auch bei seinen eigenen Konzerten gerne macht.

Fazit: Der Geigenvirtuose David Garrett geigt auch als Paganini wie der Teufel. Leider hat er seine Rolle trotzdem ziemlich vergeigt, da er lieber Imagepflege betreibt, als eine wirklich diabolische Person zu verkörpern. Das macht dafür Jared Harris als sein Manager Urbani. Doch der wiederum darf nicht so, wie er könnte.




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