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Heino Jäger Look Before You Kuck (2012)

Heino Jaeger Look Before You Kuck

Dokumentation über den Maler, Satiriker und frühen Radio-Star Heino Jaeger.User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Die Lebensgeschichte des Hamburger Kabarettisten, Malers und Radiokomikers Heino Jaeger, die in der gleichnamigen, eindringlichen Dokumentation erzählt wird, ist an Tragik kaum zu überbieten. Für einige Jahre zählte er zu den gefeiertsten Stars und Persönlichkeiten im Rundfunk, heute sind der Name und das Werk des Ausnahmekünstlers nur noch wenig bekannt.

Jaeger wurde 1938 in Hamburg geboren, seine ersten Lebensjahre waren geprägt von der Brutalität und Grausamkeit des Krieges. Als Kind erlebt er die Zerstörung Dresdens mit und schon früh wurde ihm bewusst, dass der eigene Vater ein strammer, linientreuer Nazi ist. Erlebnisse und Prägungen, die in seinem späteren Wirken und seiner Kunst deutlich sichtbar nachhallen sollten. Nach einer abgebrochenen Anstreicherlehre studierte er von 1956 bis 1959 an der Hamburger Hochschule für bildende Künste bei dem bekannten norddeutschen Maler Alfred Mahlau. Ab Ende der 1960er-Jahre begann Jaegers Popularität stetig zu wachsen. Seine vom Saarländischen Rundfunk produzierte Radiosendung "Fragen Sie Dr. Jaeger" erlangte schnell Kultstatus und machte Jaeger zu einer der populärsten Figuren im Rundfunk der 70er-Jahre.

Die Erlebnisse des Kriegs und das dadurch entstandene Trauma ließen Jaeger jedoch nie los und waren lebenslange Begleiter. Dies drückte sich auch zunehmend in seiner Malerei aus, der jedoch längst nicht so viel Erfolg beschieden war wie seiner Arbeit beim Radio. Sein provokantes, streitbares Spiel mit Nazisymbolik verstörte sein Publikum und nur wenige wollten seine düsteren, fast depressiven Bilder kaufen, geschweige denn, sie sich zu Hause aufhängen. Nach zehn Jahren brach er seine Rundfunkarbeiten plötzlich und unerwartet ab und verfiel bald jener Droge, die sein Leben immer mehr bestimmen sollte: dem Alkohol. Zudem litt Jaeger darunter, dass ihm zeitlebens die Liebe einer Frau nicht vergönnt war. 1983 kam es zur Tragödie: Ein verheerender Brand, der vermutlich von Jaeger versehentlich selbst verschuldet war, zerstörte sein Atelier und seine Wohnung vollständig. Daraufhin wies er sich selbst in eine psychiatrische Anstalt ein. Ab diesem Zeitpunkt war Jaeger künstlerisch nicht mehr tätig. Nach einer Odyssee durch verschiedene Kliniken starb er 1997 im Alter von nur 59 Jahren in schizoider Dämmerung an einem Schlaganfall in einem psychiatrischen Pflegeheim in Bad Oldesloe.

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Filmkritik

Mit "Heino Jaeger - Look before you kuck" beendet der Doku-Filmer Gerd Kroske seine als Trilogie angelegte Porträtserie Hamburger Persönlichkeiten, die 2000 mit dem Film "Der Boxprinz" über den Profiboxer und Schauspieler Norbert Grupe begann. Anhand von Interviews mit Freunden, künstlerischen Weggefährten und Familienmitgliedern und unter Berücksichtigung und Einbeziehung der Kunst Jaegers, entwirft Kroske in seiner stimmigen Dokumentation ein bedrückendes Bild von Heino Jaeger. Fotos, die Zeichnungen Jaegers und schließlich die seltenen Filmaufnahmen vermitteln einen Eindruck vom Seelenleben und der inneren Zerrissenheit des Künstlers. Im Film kommt auch der Autor Joska Pintschovius zu Wort, der von Jaegers Kindheitstrauma, dessen schrecklichen Erlebnissen während der Nazi-Diktatur und den gemeinsamen Aktivitäten in der so genannten Anti-68er-Bewegung berichtet.

Über Pintschovius, Jaegers engen Freund, bekam Kroske auch Kontakt zu ehemaligen Freunden, Kollegen und Verwandten Heino Jaegers, die ebenfalls im Film zu Wort kommen. Kroske führte lange und intensive Gespräche mit Ihnen, die sich in weiten Teilen im Film wiederfinden und den vergessenen Künstler wieder in Erinnerung rufen. Besonders interessant und bemerkenswert sind die Tondokumente aus dem Archiv des Saarländischen Rundfunks, die einen ausführlichen Einblick in das satirische und komödiantische Talent Jaegers geben. Stück um Stück entsteht so ein bewegendes und hochinformatives Porträt über einen schon zu Lebzeiten oft verkannten und unterschätzten Künstler, der u.a. Olli Dietrich bei der Erschaffung seiner Kult-Figur "Dittsche" nachhaltig beeinflusste. "Look before you kuck" wird vermutlich nicht der letzte Film über Heino Jaeger gewesen sein. Angeblich planen die Jaeger-Vereher Olli Diettrich und Rocko Schamoni eine filmische Biographie.

Fazit: "Heino Jaeger – Look before you kuck" funktioniert als hochinformatives und interessantes Porträt eines verkannten Genies ausgezeichnet und kreiert das Bild eines zutiefst traumatisierten Mannes, der am Ende an seinen Erinnerungen zerbrach.




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Zum Video: Heino Jaeger Look Before You Kuck

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2012
Genre: Dokumentation
Länge: 120 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 01.11.2012
Regie: Gerd Kroske
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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