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Like Someone in Love
Like Someone in Love
© Peripher

Kritik: Like Someone in Love (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Like someone in love" ist das neue Werk des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami, der 1997 in Cannes für "Der Geschmack der Kirsche" mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Nachdem er seinen letzten Film, das mit Juliette Binoche besetzte Edel-Drama "Die Liebesfälscher", in Italien drehte, wagte sich Kiarostami für sein neuestes Projekt nach Japan. Die französisch-japanische Gemeinschaftsproduktion, für die Kiarostami auch das Drehbuch schrieb, ist ein anspruchsvoller Kunstkino-Film für Cineasten. Wie schon bei seinen Vorgängerfilmen spielt der Iraner mit den verschiedenen filmischen Stilen, Elementen sowie Genres und kreiert so ein artifizielles, in Tokio angesiedeltes Drama, in dem es mehr um Schein als um Sein geht - und der Zuschauer sich am Ende weite Teile des Films selbst zu Ende denken und logisch erklären muss.

Wie schon in seinen Vorgängerfilmen variiert Regisseur Kiarostami seine filmischen Inhalte und Ansätze. "Like someone in love" ist ebenso Drama wie Komödie, hat ebenso seine komischen wie tragischen und berührenden Momente und könnte von seiner spärlichen Handlung her glatt der Episode einer belanglosen Soap Opera entliehen sein. Junge Studentin finanziert sich ihr Leben als Callgirl und lernt einen älteren Kunden kennen, der sich fortan als ihr Großvater ausgibt. So könnte man die minimalistische Handlung auch zusammenfassen. Doch in "Like someone in love" geht es weniger um Sein, als vielmehr um Schein, weniger um das von der Kamera Eingefangene als um das, was sich entweder nur am Bildrand abspielt oder gar nur zu hören ist und sich den Blicken des Publikums damit entzieht. Das Mitgefühl und die Höflichkeit, die die Beziehung zwischen Akiko und Takashi auszeichnet, immerhin ja Callgirl und Freier, ist dabei typisch japanisch bzw. asiatisch: eben geprägt von einer einnehmenden Liebenswürdig- und empfindsamen Herzlichkeit.

Und auch das ist typisch für Kiarostami: Lange Einstellungen und eine traumwandlerische Bildsprache prägen die Szenerie, oft rückt er seine Figuren sekundenlang ohne Bruch ins rechte Licht. Prägend hierfür ist eine Szene zu Beginn des Films, wenn die Kamera für Minuten das Gesicht von Akiko, die sich gerade auf dem Weg zu Takashi befindet, einfängt, ohne Schnitt und Unterbrechung. Das verträumte, melancholische Moment stellt sich ein, sobald die hellen Lichter der Stadt durch das Autofenster scheinen und als Schatten auf das unschuldige Gesicht der Zwanzigjährigen hinab fallen. In Richtung Verwechslungskomödie driftet der Film, als Takashi fälschlicherweise von Akikos Freund für ihren Großvater gehalten wird. Die Beiden klären die Situation nicht auf sondern steigen fröhlich in das Spiel der falschen und fehlinterpretierten Identitäten ein. So werden sie in bestimmte Rollenbilder geradezu hineingezwungen, denen sie mit erwartetem Verhalten gerecht werden müssen. Am Ende lässt "Like someone in love" den Zuschauer weitestgehend damit alleine, sich den weiteren Verlauf der Geschichte eigenständig zu Ende zu denken. Auch das ist typisch für Kiarostami. Der Film ist artifizielle, anspruchsvolle Kost, die nicht für jeden Zuschauer gleichermaßen bestimmt ist.

Fazit: Poetisches, traumwandlerisches Drama-Kleinod mit humorigen Zügen, dessen anspruchsvolle und künstlerische Umsetzung vor allem für Film-Liebhaber und Cineasten lohnend ist.




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