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Kritik: Küss mich (2011)


"Küss mich" ist das einfühlsame Spielfilm-Debüt der schwedischen Regisseurin Alexandra-Therese Keining, die im Jahr 2002 mit ihrem Kurzfilm "Hot Dog" zum ersten Mal von sich reden machte. Keining ist Autodidaktin und hat sich das Filmhandwerk selbst beigebracht. "Küss mich" gilt als erster schwedischer Film über die lesbische Liebe erwachsener Fauen seit Lukas Moodyssons mehrfach preisgekröntem Film "Fucking Amal" von 1998, der vor allem in Nordeuropa ein großer kommerzieller Erfolg war. Dank zweier wunderbar harmonierender Hauptdarstellerinnen und einer angnehem warmen, sanften Bildsprache, gelingt Regisseurin Keining ein intensives Liebes-Drama des Queer Cinema.

"Küss mich" verfügt über einen großartig aufgelegten Cast, der einige der bedeudensten Schauspieler des schwedischen Kinos versammelt. So gehören Lena Endre ("Millenium"-Trilogie) und Krister Henriksson ("Mankells Wallander") seit Jahren zu den profiliertesten Darstellern ihres Landes. Die beiden Hauptdarstellerinnen Ruth Vega Fernandez und Liv Mjönes sind über die Grenzen Schwedens bisher kaum bekannt, was sich durch diesen Film aber ändern könnte. Ruth Vega Fernandez verkörpert die emotionale Mia, die die Trennung ihrer Eltern noch immer nicht ganz verwunden hat. Sie lebt in einer glücklichen Beziehung mit dem smarten Tim, die Hochzeit steht kurz bevor. Mia scheint sich – beruflich wie privat – ihrer Sache sicher zu sein. Das ändert sich jedoch als sie auf der Verlobungsfeier des Vaters die attraktive und lebenslustige Frida kennenlernt, die Mias Gefühlswelt gehörig durcheinanderwirbelt. Schon auf dieser Party funkt es zwischen den Beiden.

Bei dem gemeinsamen Ausflug auf die einsame Insel kommen sich die beiden Frauen näher und verbringen eine Nacht miteinander. Spätestens ab diesem Zeitpunkt überschlagen sich die Ereignisse, da die Affäre auch Elisabeth, Fridas Mutter, nicht verborgen bleibt. Ruth Vega Fernandez schafft es, dem Zuschauer über ihre Gestik und Mimik bewusst zu machen, wie sehr sie innerlich zerissen ist und – zunächst – gegen die (gar nicht so unbekannten) und unerwünschten Gefühle ankämpft. Hier greift Regisseurin Keining die Themen Coming out und Bisexualität auf und macht deutlich, dass diese Aspekte keine Frage des Alters sind. "Küss mich" veranschaulicht, dass auch reifere und ältere Menschen, die sich hinsichtlich ihrer Identität und sexuellen Orientierung sicher waren und sich bereits "festgelegt" hatten, in diesen Konflikt geraten können. Frida hingegen hat die Phase des Coming Outs schon längst hinter sich und kämpft selbtbewusst um die Liebe von Mia.

Neben dem großartigen Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen überzeugt vor allem die warme, stimmungsvolle Bildsprache, die Keining für ihr Liebes-Drama gewählt hat. Immer wieder bezieht sie die farbenfrohen, hübschen schwedischen Sommerlandschaften in ihren Film mit ein und verpasst "Küss mich" damit eine positive, lebensbejahende Grundstimmung – trotz der emotionalen Achterbahnfahrt aller Beteiligten und der schwierigen Entscheidungen, die vor allem Mia treffen muss.

Fazit: Das gefühlvolle Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen und die warme, stimmungsvolle Bildsprache, machen "Küss mich" zu einem leidenschaftlichen, intenstiven Drama über die Liebe zweier Frauen.





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