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Kritik: Starlet (2012)


Was haben ein Pornodreh und ein Bingo Spiel gemein? Auf den ersten Blick nicht viel und doch verbindet der Regisseur Sean Baker diese beiden Welten in seinem neusten Film „Starlet“. Betrachtet man den Ort der Handlung, das kalifornische San Fernando, treffen genau diese Welten aufeinander oder besser leben nebeneinander. San Fernando ist bekannt für die Erotikindustrie ebenso wie als Ruhesitz vieler Rentner.

Die junge Jane, gespielt von Dree Hemingway, der Urenkelin des gleichnamigen Romanciers, lebt mit ihren Freunden Melissa (Stella Maeve) und Mikey (James Ransome) zusammen. Alle drei versuchen ihr Glück in der Pornoindustrie, wobei Jane die erfolgreichere zu sein scheint. Jane ersteigert eines Tages eine Thermoskanne von der fünfundachtzigjährigen Sadie (Besedka Johnson). Diese ist gefüllt mit circa zehntausend Dollar. Nach einem anfänglichen Kaufrausch packt Jane das schlechte Gewissen und sie versucht die etwas grantige und introvertierte Sadie kennenzulernen. Nach anfänglicher Abwehr von Seiten Sadies entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft. Baker beleuchtet in seiner fotografischen Charakterstudie die Welten seiner Protagonistinnen. Dabei wird deutlich, dass beide trotz scheinbar großer Unterschiede in ihrem Leben viel gemein haben. Und das ist vor allem das Fehlen familiärer Strukturen.

Baker nutzt lange, helle Einstellungen und das fast völlige Fehlen von Musik gibt dem Film beinah etwas Dokumentarisches. Allerdings wirkt es teilweise, als ob hier zwei Filme parallel laufen. Die Geschichte zwischen Jane und Sadie und das Leben Janes als Pornosternchen. Beide Handlungsstränge berühren sich einzig durch die Person Janes, wobei sie auch ohne die jeweils andere Geschichte auskommen würden. Die Freundschaft der beiden Frauen wird in keiner Weise durch Janes Arbeit bei Pornodrehs berührt und der Einblick in die kalifornische Erotikbranche ist ein völlig autonomes Kapitel, das mit der Beziehung zu Sadie rein gar nichts zu tun hat. Somit ist der Film im Gesamten auch nur in seinen zwei Teilen zu bewerten. Während die Arbeit in der Pornoindustrie durchaus interessant, aber schon fast wie in einer Reality-Doku dargestellt wird, lässt sich Baker beim Portraitieren der Beziehung der zwei Frauen viel Zeit. Entstanden ist ein untypischer Film über verschiedene Charaktere in einer Megacity, unterschiedliche Lebenswege und –weisen und das gemeinsame Streben nach ehrlicher Freundschaft.

Fazit: Mit filmischer Experimentierfreude zeichnet Regisseur Sean Baker das Entstehen einer auf den ersten Blick ungewöhnlichen Freundschaft. Leider schafft er es nicht, die zwei Geschichten seines Films zu einem Ganzen zu vereinen.




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