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King Ping - Tippen Tappen Tödchen
King Ping - Tippen Tappen Tödchen
© barnsteiner-film © Rex-Film

Kritik: King Ping - Tippen Tappen Tödchen (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Angesichts der eher überschaubaren Genre-Bandbreite im deutschen Kino ist der Versuch, das Publikum mit einer schwarzhumorigen Krimikomödie zu überraschen, absolut begrüßenswert. Noch dazu, wenn es sich bei diesem Unternehmen um eine Produktion handelt, die ausschließlich mit privaten Geldern und über Crowdfunding finanziert wurde und sich daher frei von den Zwängen der Förderanstalten und Fernsehsender machen kann. "King Ping – Tippen Tappen Tödchen", der erste Kinofilm der 2009 gegründeten Produktionsfirma REX Film, verspricht vor diesem Hintergrund anarchischen Witz und einen augenzwinkernden Umgang mit Genre-Konventionen. Im Ansatz ist dieses Bemühen durchaus zu erkennen, zu einem berauschenden Filmerlebnis will sich die Crime Comedy letztlich aber nicht entwickeln. Und das, obwohl der fernseherprobte Regisseur Claude Giffel ("Verbotene Liebe", "Alles, was zählt") alle nur erdenklichen inszenatorischen Register zieht. Gerade hier liegt aber auch das große Problem von "King Ping". Aus jeder Pore atmet der Film den unbedingten Willen, anders zu sein, Regeln zu brechen, Sehgewohnheiten zu unterwandern. Optische Spielereien wie die eingeschobenen Comic-Sequenzen eines Pinguins, Zeitlupen oder vermeintlich komische Zwischentitel wirken leider nicht lässig und cool, sondern meistens aufgesetzt und bemüht.

Das zackige Tempo, das der Inszenierungsmodus suggeriert, kann der zugrunde liegende Krimiplot keineswegs einlösen. Eher behäbig schleppt sich die Handlung rund um den Wuppertaler Serienmörder von einer Wendung zur nächsten und passt sich damit ihrem recht schwerfälligen Protagonisten an, der oftmals nur durch Zufall zu neuen Erkenntnissen kommt. Auch wenn die erzählerische Beliebigkeit sicherlich zum Konzept des Films gehört – immerhin will er die üblichen Krimiversatzstücke parodieren –, sind der Fall und seine Auflösung dann doch etwas sehr banal. Das Gleiche gilt für die metatextuellen Bezüge, die immer wieder Eingang in die Handlung finden, meistens aber nicht über Schenkelklopfer-Niveau hinauskommen – etwa wenn Frowein seine beiden chaotischen Tierpfleger-Freunde kurzerhand zu Ermittlungspartnern macht und als "CSI: Grottenolm" bezeichnet.

Die erzählerischen Unzulänglichkeiten fielen nicht so sehr ins Gewicht, wenn die handelnden Figuren ausreichend Interesse beim Zuschauer hervorrufen würden. Doch auch in dieser Hinsicht zeigt sich "King Ping" als seltsames Zwitterwesen. Wuppertal, im Übrigen ein Hauptdarsteller des Films, dem musikalisch mehrfach gehuldigt wird, scheint bevölkert von skurrilen Gestalten, die sich allesamt im Umfeld des suspendierten Froweins bewegen. Ob der unangepasste Protagonist selbst, sein schwuler Freund Wölfken, die männerhassende Pathologin oder die herzensgute Biggi, bei der Frowein seit der Entlassung aus dem Polizeidienst Unterschlupf findet – das Bemühen um ein ausgefallenes Personenensemble ist von Beginn an spürbar. Und doch bleiben viele Figuren bloße Abziehbilder, die außer ihrem unkonventionellen Auftreten keine tiefergehenden Eigenschaften auf sich vereinen. Den Schauspielern ist dabei allerdings kein Vorwurf zu machen. Obwohl sie zu reduzierten Bezügen agieren, gehen viele Darsteller mit erstaunlicher Spielfreude und Selbstironie zu Werke. Das lässt sich auch für den gebürtigen Wuppertaler Christoph Maria Herbst sagen, wobei er sein komödiantisches Talent in der holzschnittartigen Rolle des Lokalreporters leider nur selten voll zur Geltung bringen kann.

Fazit: Unabhängig produzierte Krimipersiflage, die in Ansätzen anarchischen Charme versprüht, jedoch inszenatorisch allzu aufgesetzt daherkommt und wenig Interesse für die handelnden Figuren wecken kann. Ein klarer Fall: bemüht, aber nicht überzeugend.





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