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Eine ganz ruhige Kugel
Eine ganz ruhige Kugel
© Universum Film

Kritik: Eine ganz ruhige Kugel (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Egal zu welchen Dimensionen die Plauze anwachsen mag oder ob Gerard Depardieu sich aus steuerlichen Gründen mit Staatsoberhäuptern verbrüdert, die eine sehr fragwürdiges Demokratie- und Freiheitsauffassung an den Tag legen - er ist und bleibt die Ikone des französischen Kinos. In seinem neuesten Werk "Eine ganz ruhige Kugel" spielt er den Trickbetrüger und Boule-Guru (Jacky), der gemeinsam mit seinen Zögling und Gauner-Partner Momo (Atmen Kelif), algerischer Herkunft, andere Boule-Spieler systematisch ausnimmt. Ihre Ambitionen wachsen aber rasch, als bei einem internationalen Boule-Wettbewerb das große Geld winkt.

Ein wenig fühlt man sich bei dieser Ausgangskonstellation an Martin Scorseses Kultfilm "Die Farbe des Geldes" erinnert; dort zockten seinerzeit Paul Newman und Tom Cruise andere Poolbillard-Spieler ab, auf ihrer Reise zu einem großen Turnier. Doch, bei aller Sympathie, Depardieu ist nicht Newman, und ob man Atmen Kelif einen Gefallen erweisen würde, sollte man ihn mit (dem jungen) Cruise vergleichen, sei einfach dahingestellt.

Die sentimentale Verwirrung hält ohnehin nur eine kurze Weile an. Danach dehnt sich die inhaltlich dünne Geschichte kaugummiartig über ihre Spieldauer von knappen 100 Minuten, die gefühlt um einiges länger wirken. An Fahrt will "Eine ganz ruhige Kugel" nur schwerlich gewinnen. Damit wird der Film seinem Titel vollauf gerecht, und auch Depardieu stolziert höchst bedächtig herum, als sei er glatt darum besorgt, er könne sich bei zu viel Beschleunigung einen Muskel zerren.

Einer gewissen Süffisanz entbehrt das alles dennoch nicht. Wer aber größere Unterhaltungswerte erwartet oder sich gar Gags mit euphorisierender Wirkung erhofft, wird über weite Strecken vermutlich enttäuscht werden. Ohnehin wirkt "Eine ganz ruhige Kugel" etwas speziell, als sei er im Grunde gar nicht für den Markt außerhalb Frankreichs produziert worden. Das liegt in erster Linie noch nicht einmal an der Sportart, die hier im Mittelpunkt steht – auch wenn Boule hierzulande eine eher bescheidene Faszination entfaltet.

Es ist vielmehr das Gefühl von der Geschichte nicht wirklich angesprochen zu werden, das sich hartnäckig mit zunehmender Spielzeit breit macht. Und selbst als universelle Themen wie Rassismus in den Fokus rücken, als Momo als Sohn algerischer Migranten von den anderen Teilnehmern des Boule-Wettbewerbs diskriminiert und zuletzt sogar zurück in seine vermeintliche Heimat abgeschoben wird, verbreitet der Film nicht die Emotionalität, die dringend nötig wäre, um mit dem Geschehen ernstlich mitschwingen zu können.

Fazit: Entschleunigte Dramödie, die nicht wirklich sauer aufstößt, aber eben auch weitestgehend unbeteiligt lässt. Ein tiefenentspannter Gerard Depardieu spult zwar mit einiger Ironie routiniert seine Rolle runter, befördert jedoch auch kaum Leben in die Handlung.





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