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Vive la France - Gesprengt wird später
Vive la France - Gesprengt wird später
© Gaumont / polyband

Kritik: Vive la France - Gesprengt wird später (2013)


Nicht nur das deutsche Komödiengenre beherrscht die Kunst des schwachsinnigen Klamauks, wie der Film "Vive la France – Gesprengt wird später" beweist. Er schickt zwei Vollidioten aus einem fiktiven zentralasiatischen Land auf eine gegen den Eiffelturm gerichtete terroristische Mission. An der komödiantischen Ausgangslage liegt es nicht, dass der Film so niveaulos gerät, zumal sie von einer angeblich wahren Geschichte inspiriert ist. Regisseur und Feruz-Darsteller Michaël Youn bekam sie von einem Bekannten erzählt: Dieser hatte in einem Magazin über zwei Al-Qaida-Terroristen gelesen, die in Mailand ein Attentat verüben wollten und stattdessen in Neapel landeten. Dort wurde einer von ihnen Opfer der Camorra und der andere von Kindern ausgeraubt.

So ähnlich ergeht es auch Muzafar und Feruz, denn sie lernen auf ihrem tollpatschigen Roadtrip die Franzosen oft genug von ihrer ungemütlichen Seite kennen. Dabei wird nicht nur das Hinterwäldlertum der zum Terrorismus abkommandierten Hirten persifliert, sondern auch Frankreich, indem seinen Bewohnern ein fremder Spiegel vorgehalten wird. Leider aber ist es dann doch nicht wirklich die Absicht des Films, eine Satire auf französische Zustände zu liefern, sondern vielmehr, die Attentäter von den Schönheiten des Landes und seiner Kultur zu überzeugen und so zu bekehren. So fällt der Geschichte auch nicht viel ein, was sie in Frankreich durch den Kakao ziehen könnte – der Witz beschränkt sich beinahe nur auf das regionale Selbstbewusstsein, das die Fremden überrascht: Auf Korsika, in Marseille und anderswo reagiert man empört, wenn sie dort etwas für typisch französisch halten. Freiheit, Demokratie, gutes Essen und guter Sex – all diese typischen Werte des Landes hingegen bringt ihnen die engagierte Journalistin Marianne bei. Sie ist schon dem Namen nach die positiv besetzte französische Symbolfigur.

Vielleicht könnte die Persiflage auch so versöhnlich gestimmt noch funktionieren, aber Muzafar und Feruz haben von Haus aus schon keinen Biss, anders als beispielsweise "Borat". Quasi zum Running Gag mutiert der Ohrfeigenwitz, der Frauen bedroht, die in Muzafars Nähe den Mund aufmachen. Die Dialoge verweisen ständig darauf, dass die beiden Männer einen begrenzten Wortschatz haben: "Meine Nase ist voll von dir." Passend dazu rennt vor allem Muzafar stets mit weit aufgerissenen Augen herum und verzieht den Mund zu bemitleidenswerten Grimassen. Vielleicht hatten die Filmemacher nicht genügend Mut, um das an sich ja auch heikle Thema und seine Fettnäpfchen mit weniger plumpen Übertreibungen anzupacken.

Fazit: Die grelle französische Terroristenkomödie "Vive la France – Gesprengt wird später" bietet doofen Klamauk mit hohem Peinlichkeitsfaktor.





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