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Nachtzug nach Lissabon - Hauptplakat
Nachtzug nach Lissabon - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Nachtzug nach Lissabon (2013)


Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Pascal Mercier erzählt Bille August in „Nachtzug nach Lissabon“ in Hochglanz-Bildern eine grundsätzlich spannende Geschichte: Amadeu ist der Sohn einen systemkonformen Richters und ein brillanter Schüler, der schließlich an der Seite seines Freundes Jorge (August Diehl) aufbegehrt. Indem er versucht, seinen eigenen Idealen im Salazar-Regime treu zu bleiben, riskiert er mehrfach die Freundschaft zu Jorge – bis sich die Freunde schließlich entzweien. Dieser Lebensgeschichte nähert sich Raimund durch Fragen, die seine Recherchen aufwerfen: Was verschweigt beispielsweise Amadeus Schwester (Charlotte Rampling) – und warum will Jorge nicht über Amadeu reden? Dennoch entsteht keine Spannung, da die allzu perfekt ausgestatten Bildern von dem aufdringliche Score von Annette Focks und einem zu häufiges Voice-Over mit Passagen aus dem Buch überlagert werden. Dadurch erscheint fast jeder Satz und jedes Bild bedeutungsschwanger – aber es entsteht keine Atmosphäre.

Auch die Figuren wirken kaum lebendig. Jeremy Irons stolpert als Lateinlehrer im übergroßen Sakko lustlos bis übertrieben durch die Gassen von Lissabon – und wenn Christopher Lee als portugiesischer Mönch eine Tür öffnet, sorgt die offensichtliche Parallele zu „Herr der Ringe“ für unfreiwillige Lacher. Außerdem ist kaum ein portugiesischer Charakter auch mit einem portugiesischen Schauspieler besetzt, sondern Martina Gedeck spielt eine portugiesische Optikerin und August Diehl den besten Freund Jorge. Das fällt spätestens in den Szenen störend auf, in denen sich die portugiesischen Charaktere untereinander in Englisch unterhalten – mit portugiesischem Akzent. Dabei wäre es in diesem Fall sehr einfach gewesen, den zweiten wichtigen Handlungsstrang des Buches von Pascal Mercier – die Sprache, das Übersetzen der Worte – in den Film einfließen zu lassen. Aber so verliert der Film sämtliche Authentizität und noch nicht einmal Lissabon als Handlungsort vermag hier etwas auszurichten.

In „Nachtzug nach Lissabon“ ist alles zu glatt, zu oberflächlich und oftmals schlichtweg überinszeniert. Es fehlen die sorgfältig gesetzten Details, stattdessen wirkt manches gar lieblos. Eine europäische Ko-Produktion hat Vorteile: Das Risiko wird verteilt, es steht mehr Geld zur Verfügung und durch die kreative Zusammenarbeit verschiedener Länder kann ein großer, ein europäischer Film entstehen – doch „Nachtzug in Lissabon“ ist ein weichgespültes Drama, das mal mehr und mal weniger langweilt.

Fazit: „Nachtzug nach Lissabon“ ist eine hochpolierte Literaturverfilmung, die knapp zwei Stunden oberflächliche Schauwerte bietet.




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