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Berberian Sound Studio (2012)

Britische Hommage an "Giallo"-Filme (=ziemlich blutige, erotische italienische Thriller/Horrorfilme): Im Italien des Jahres 1976 arbeitet der Brite Gilderoy in einem Giallo-Filme produzierenden Tonstudio und verliert sich zusehends in den albtraumhaften Klangwelten...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Gilderoy (Toby Jones) ist ein Meister seines Fachs: Der Brite ist ein erstklassiger Geräuschemacher beim Film, mit viel Leidenschaft und großem Können vertont er Kinder- und Naturfilme. Umso überraschter ist er, als er das Angebot von einem italienischen Filmstudio, das auf Horror spezialisiert ist, erhält, einen echten italienischen "Giallo" namens "The Equestrian Vortrex" zu vertonen. Mit einem leicht mulmigen Gefühl aber dennoch voller Vorfreude nimmt er schließlich an. Kaum in dem Filmstudio mit seinen mysteriösen Mitarbeitern angekommen, betritt Gilderoy cineastisches Neuland, das ihn ebenso begeistert wie abschreckt. Denn je weiter die Produktion des Films voranschreitet, desto tiefer versinkt der schüchterne Tonmeister in der entrückten, obskuren Welt des Giallo. Bald ist er nicht mehr in der Lage zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

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Berberian Sound StudioBerberian Sound Studio - Peter StricklandBerberian Sound Studio - Toby JonesBerberian Sound Studio - Toby Jones, Fatma MohamedBerberian Sound Studio - Toby JonesBerberian Sound Studio - Tonia Sotiropoulou, Toby Jones


Filmkritik

"Giallo" bezeichnet ein Sub-Genre des Thrillers, oft eine Mischung aus Horror- und Erotik-Streifen mit Elementen des Spannungs-Thrillers, das sich durch seine explizite Gewaltdarstellungen und den bewusst stilvollen Einsatz von Kamera, Musik und Kulissen auszeichnet. Oft geht es in den Filmen, die in den 70er-Jahren in Italien ihre Hochphase erlebten, um einen maskierten, brutalen Serienkiller, der es zumeist auf hübsche junge Frauen abgesehen hat. "Berberian Sound Studio" des britischen Regisseurs Peter Strickland versteht sich einerseits als Hommage an das italienische Giallo-Kino. Andererseits macht er in seinem verwirrenden, vielschichtigen Werk die Mechanismen und Spezifika der Film-Vertonung und Soundproduktion deutlich. Insofern ist "Berberian Sound Studio" einer der ungewöhnlichsten Filme dieses Jahres und ob man als Zuschauer mit dem Gezeigten etwas anfangen kann, hängt allein davon ab, ob man sich voll und ganz auf dieses auditive Film-Erlebnis einlässt.

Ebenso wie die Hauptfigur Gilderoy wird der Zuschauer hier bereits nach wenigen Minuten in einen Strudel aus Wahnsinn, Entsetzen und Tönen gerissen, der gleichermaßen fasziniert und abschreckt. Gilderoy ist nach Italien gefahren, um dort einen echten Giallo mit Geräuschen und Klängen zu unterfüttern. Für den Sound-Experten echtes berufliches Neuland. Die Besonderheit ist hierbei, dass Regisseur Strickland den Film "The Equestrian Vortrex“, den es zu vertonen gilt, mit keiner Szene oder Sequenz zeigt. Stattdessen präsentiert er lediglich die Tonspur des Films und der Zuschauer kann Gilderoy bei der Erzeugung seiner Klangwelten zusehen. Was sich aber auf der Leinwand (bzw. dem Film im Film) abspielt, bleibt der Fantasie jedes einzelnen selbst überlassen.

"Berberian Sound Studio" liefert zum einen also hochinteressante Einblicke in die Welt der Filmvertonung, die für Cineasten und Fans des Genres ein Ohrenschmaus darstellen. Ferner thematisiert Strickland in seinem Film aber auch das Aufeinanderprallen zweier völlig unterschiedlicher Lebenswelten und Kulturen: der reservierte, distanzierte Charakter von Gilderoy trifft auf die temperamentvolle, lebensbejahende Art der italienischen Studio-Mitarbeiter. Diese Konfrontation sorgt für allerlei absurde, tragikomische Situationen und Missverständnisse. Dennoch: "Berberian Sound Studio" könnte aufgrund seiner speziellen Thematik und Machart den ein oder anderen Zuschauer durchaus gehörig verunsichern und verstören. Das Prädikat "außergewöhnlich" verdient er aber allemal.

Fazit: Verstörender, mysteriöser Einblick in die außergewöhnliche Welt der Film-Vertonung und Soundproduktion italienischer Giallo-Streifen. Für Cineasten und Giallo-Fans ein außerordentliches (Hör)erlebnis.




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Land: Großbritannien
Jahr: 2012
Genre: Thriller, Horror
Länge: 92 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 13.06.2013
Regie: Peter Strickland
Darsteller: Suzy Kendall, Toby Jones, Eugenia Caruso
Verleih: Rapid Eye Movies

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