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One Chance - Einmal im Leben
One Chance - Einmal im Leben
© Concorde

Kritik: One Chance - Einmal im Leben (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit Opernarien singt sich der 36-jährige Paul Potts 2007 nicht nur auf das Siegerpodest der britischen Fernsehshow "Britain's Got Talent", sondern wird daraufhin auch zum Plattenmillionär. Diesen Erfolg verdankt der Laiensänger, der es nie zu der erträumten Karriere auf den großen Opernbühnen brachte, der Beharrlichkeit, mit der er seiner Leidenschaft treu blieb. Der nach Paul Potts' erstem Album "One Chance" benannte Spielfilm von Regisseur David Frankel vermeidet es, in die Kitschfalle zu tappen. Geschickt inszeniert und packend gespielt, gelingt es dem Drama, das Einmalige dieser wahren Geschichte gefühlsmäßig auf den Punkt zu bringen.

Zwar geht es im Film auch oft um Paul Potts Lieblingsarien, wie "Nessun Dorma" aus der Oper "Turandot" von Puccini, aber das Leben des Sängers prägt den Inhalt stärker als die Musik. Zum einen überrascht der Film mit einer bezaubernden Liebesgeschichte, die ein wenig an den Boxerfilm "Rocky" erinnert, aber mit weniger Pathos auskommt. Der etwas übergewichtige, linkische junge Mann und die natürliche, bescheidene Julz ergeben ein wunderbares Paar. Julz lässt es so einfach aussehen, was vielen Menschen in Pauls Umgebung nicht recht gelingt: an diesen Mann und seinen Traum zu glauben. Denn Paul fällt nicht nur in der gehobenen Welt der Opernschule von Venedig auf wie ein bunter Hund, sondern auch daheim, wo die Männer ihrer Muskelkraft vertrauen und allenfalls mal Trinklieder singen. Wenn ihn dann in den Jahren vor dem Auftritt in der Talentshow auch noch eine unglaubliche Pechsträhne heimsucht, versteht man die Zweifel seines Vaters Roland (Colm Meaney): Vielleicht setzt Paul die Prioritäten falsch, jagt einer vagen Illusion nach.

Der Film zeichnet die Charaktere sehr überzeugend und fängt mit ihnen auch das Arbeitermilieu treffend ein, in dem Paul lebt. Da sind die herzlichen, aber in ihrer Haltung zu Paul sehr verschiedenen Eltern, oder der schräge Braddon aus dem Handyladen. Er sorgt nicht nur für Humor in der Geschichte, sondern spielt auch als Freund eine wichtige Rolle. Die Inszenierung lässt die Grautöne, die Tristesse von Pauls Heimatstadt oder auch seine starke Nervosität vor Auftritten, sehr lebendig werden. So identifiziert man sich anhand der vielen Hürden zunehmend mit diesem Charakter, der einfach nur singen will, weil die Oper sein Leben ist. Frankel tut gut daran, zurückgenommen zu erzählen, die unscheinbaren Momente hervorzukehren und Paul nicht zu glorifizieren. Man verlässt das Kino tief befriedigt, weil der Film diese Geschichte so schön und lebensnah erzählt.

Fazit: Die Geschichte des Laientenors Paul Potts, der 2007 eine britische TV-Talentshow gewann und sich mit Opernarien weltweit in die Herzen der Menschen sang, wird von David Frankel in einen gelungenen Spielfilm verwandelt. Er spricht weniger die Opernliebhaber, als Zuschauer an, die ein bewegend und realitätsnah erzähltes Drama schätzen.





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