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Jeder hat einen Plan - Hauptplakat
Jeder hat einen Plan - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: Jeder hat einen Plan (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Grundidee hinter "Jeder hat einen Plan", dem Spielfilm-Debüt der argentinischen Regisseurin und Drehbuchautorin Ana Piterbarg, ist keineswegs neu, ganz im Gegenteil. Das Motiv des Identitätswechsels hat nicht nur in diverse Komödien Einzug gehalten, auch im Thriller-Genre findet es immer wieder Verwendung. Man denke in diesem Zusammenhang nur an die beiden Verfilmungen von Patricia Highsmiths Roman "Der talentierte Mr. Ripley". Verwunderlich ist die Nähe zum Thriller nicht, schließlich bietet das fragile Konzept des Rollentausches ausreichend Raum für effektiven Spannungsaufbau. Piterbarg scheint sich dieses Potenzials bewusst zu sein, kann oder will es aber nie wirklich ausschöpfen.

Der Einstieg des Films gestaltet sich genretypisch. Noch bevor mit Agustín die eigentliche Hauptfigur ins Zentrum rückt, erhält der Zuschauer in einem Prolog einen kurzen Einblick in das karge, wenig menschenfreundliche Leben des undurchdringbar erscheinenden Tigre-Deltas. Die kriminellen Machenschaften, denen Pedro und Adrián nachgehen, werden von einer Unheil verkündenden Stimmung begleitet. Mit dem Wechsel zu Agustín verlagert sich der Ton des Films zunächst vom Thriller zum Drama. Kleine Gesten und Blicke künden von der inneren Unruhe, die den Kinderarzt gefangen nimmt. Viggo Mortensen macht die depressive Grundstimmung des Protagonisten nuanciert und angenehm zurückhaltend spürbar. Dieser Mann wird in seinem jetzigen Leben kein Glück mehr finden, so viel steht fest. Der eher spontane Entschluss, seinen Zwillingsbruder zu töten, verstört zwar in seiner Beiläufigkeit, erscheint gleichzeitig aber auch konsequent. Immerhin hat Pedro Agustín kurz zuvor noch selbst gebeten, ihn von seinem Leiden zu erlösen.

Dass die wenig planvolle Flucht in das Leben seines Bruders jedoch keine Befreiung darstellt, wird schnell ersichtlich. Mit Agustíns Eintauchen in die sumpfige und verwunschen anmutende Flusswelt des Tigre-Deltas kehrt Piterbarg zur bedrohlichen Atmosphäre des Prologs zurück. Gefahren lauern überall, und der ahnungslose Kinderarzt kann sich ihnen nicht entziehen: Die Söhne des ermordeten Entführungsopfers wollen Rache, die Polizei erscheint, und auch der zwischenzeitlich untergetauchte Adrián sucht seinen vermeintlichen Komplizen auf. Während Agustín sich immer tiefer in Pedros kriminelle Vergangenheit verstrickt, kommt er dessen Freundin Rosa näher, die auch von Adrián begehrt wird. Warum Agustín aus diesem verhängnisvollen Beziehungsgeflecht nicht ausbricht, erklärt der Film nicht. Vieles bleibt im Vagen, wird lediglich angedeutet.

Auch wenn die Regisseurin den fatal verlaufenden Neuanfang des Protagonisten in stimmungsvolle Bilder taucht, in denen die Tigre-Flusswelt ein mysteriöses Eigenleben entwickelt, gelingt es ihr leider zu selten, die Geschichte spannend voranzutreiben. Auf erzählerischer Ebene hat Piterbarg vieles mit ihrer Hauptfigur gemein: Ihr scheint ein klares Ziel, ein Plan zu fehlen. So entfaltet sich die Handlung ohne sonderlich überraschende Höhepunkte. Thriller- und Krimiversatzstücke werden immer wieder aufgerufen, versanden jedoch stets dann, wenn eine Zuspitzung notwendig gewesen wäre. Erschwerend kommt hinzu, dass die Figuren fast durchweg negativ gezeichnet sind. Selbst Agustín ist letztlich nichts weiter als ein undurchschaubarer Egoist, der sich nicht gerade als Identifikationsfigur aufdrängt.

Fazit: Atmosphärisch fotografiertes Thriller-Drama vor beeindruckender Naturkulisse, das viel zu selten spannende Akzente setzt und damit unter seinen Möglichkeiten bleibt.





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