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Zaytoun - Poster
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© Senator Film

Kritik: Zaytoun (2012)


Der israelische Regisseur Eran Riklis verfilmt mit "Zaytoun" das Erstlingsdrehbuch des palästinensischen Autors Nader Rizq. Der Titel ist das arabische Wort für Olive und spielt wie das Olivenbäumchen, das im Film mit auf die Reise geht, auf den Ölzweig als Friedenssymbol an. Im Gewand eines klassischen Roadmovies lässt der Film zwei Kontrahenten, die ein Zweckbündnis bilden, jeweils einen Blick in die Lebensrealität des Gegners werfen. Der palästinensisch-israelische Konflikt wird auf einer zwischenmenschlichen Ebene kurzzeitig überwunden. Das Flüchtlingskind und der Kampfpilot verstehen sich irgendwann besser, als es ihr jeweiliges Umfeld zulässt.

Das Kriegerische verwandelt sich für Fahed und Yoni in ein Abenteuer, in dem sie gejagten Outlaws wie in einem Western ähneln. Fahed setzt sich eine coole Sonnenbrille auf und steckt seine Pistole in den Hosenbund: Das militärische Training der PLO, dem er sich wie die anderen Jungen im Flüchtlingslager kaum entziehen konnte, hat den Zwölfjährigen vor allem in seiner eigenen Einschätzung zum Mann gemacht. Auf der Reise nach Israel bekommt er öfters Gelegenheit, Yoni mit seinem Mut und seinem Geschick zu beeindrucken.

Stephen Dorff behält auch als Kampfpilot viel von der introvertierten Zurückhaltung, die schon seine Rolle in Sofia Coppolas "Somewhere" prägte. Aber diesmal ist er wesentlich drahtiger und vermittelt glaubhaft, dass man Yoni nicht unterschätzen sollte, nur weil er Fahed an vielen Stellen gewähren lässt. Die Reise durch den Libanon und anschließend durch Israel zum Heimatdorf von Faheds Vater führt durch eindrucksvolle Landschaften entlang der Küste und über karges, hügeliges Land. In Beirut hingegen sucht die Kamera anfangs die bunte, geraffte Vielfalt: Schwerbewaffnete Milizen, fußballvernarrte Jungen, Straßenhändler, die ihre Waren anpreisen.

Die permanente Lebensgefahr im Bürgerkriegsland wird in vielen Facetten aufgezeigt, trotzdem besitzt der Film auch erstaunlich viel Humor. Er ist ein wichtiger Faktor im Dialog von Yoni und Fahed, ein Lächeln spricht das aus, wofür es auf ihrer emotionalen Gratwanderung keine Worte gibt. In Gestalt eines schlitzohrigen Taxifahrers bekommt das Duo zeitweise einen lustigen Sidekick, dessen Lieblingslied "Stayin' Alive" auch die nötige Retrostimmung liefert.

Das Jahr 1982 scheint nicht von ungefähr, sondern aus dramaturgischen Gründen als Zeitkulisse gewählt. Die israelische Invasion im Libanon steht kurz bevor und auch das Massaker, das christliche Milizen im Lager Schatila verüben werden. Die Zuschauer müssen sich selbst ausmalen, wie groß Faheds Überlebenschancen am Ende dieser Geschichte sind. Für ein paar Tage haben zwei Menschen dem tödlichen Lauf der Dinge ein Schnippchen geschlagen. Ein Funken Hoffnung springt auf das Publikum über.

Fazit: Der israelische Regisseur Eran Riklis erzählt spannend und gefühlsstark vom Roadtrip zweier ungleicher Gefährten durch das verminte Gelände des palästinensisch-israelischen Konflikts.





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