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Kritik: Stiller Sommer (2012)


Die deutsche Beziehungskomödie "Stiller Sommer" verbreitet entspannte Urlaubsatmosphäre. Ein Ehepaar in der Krise flüchtet sich ins südfranzösische Landhaus, wo sich das Leben ganz anders genießen lässt. Kristine scheint es nichts auszumachen, dass sie ihre Stimme vorübergehend eingebüßt hat: Selbstbewusst lässt sie Fragen anderer im Raum stehen und begibt sich auf sinnliche Entdeckungstour. Natürlich hat der Verlust der Stimme auch eine symbolische Bedeutung, die sich im Verlauf der wie ein Rätsel konstruierten Geschichte offenbart. Die humorvollen Dialoge, die wildromantische Landschaft der Cevennen und der markante Erzählstil, welcher die Geschichte zu Ende bringt, indem er sie nochmal von einer anderen Seite aufrollt, fügen sich zu einem angenehm leichten Unterhaltungsfilm.

Kristine genießt die Aufmerksamkeit, die ihr der jüngere Franck schenkt. Überall warten auf sie Entdeckungen: Manche erlauben das Ausbrechen aus eingefahrenen Gleisen, andere jedoch sind erschreckend. Die patente, beruflich erfolgreiche Frau passt äußerlich so wenig in dieses Dorf, in dem auch deutsche Althippies und Künstler wohnen, wie ihr steifer Mann. Dagmar Manzel verbindet die zielstrebige Seite von Kristine mühelos mit ihrer neuen Freude daran, die Seele baumeln zu lassen. Die aber bringt ihren Mann aus dem gewohnten Rhythmus. Auf komische Weise zeigt sich, dass ihm zwar nicht die Stimme, aber doch die richtigen Worte fehlen. Die nur aufgesetzte Selbstsicherheit macht Herbert zum wichtigsten komödiantischen Charakter. Zur Wohlfühlatmosphäre trägt auch die offene, gesellige Gemeinschaft der Dorfbewohner bei.

In einem fortgeschrittenen Stadium der Geschichte werden plötzlich ganze Passagen noch einmal aus einem anderen Blickwinkel aufgerollt. Dabei schließen sich inhaltliche Lücken, die vorher kaum aufgefallen waren. Mit diesem raffinierten erzählerischen Trick spiegelt die Regisseurin und Drehbuchautorin Nana Neul die verschwiegenen Aspekte in Kristines Ehe, die sie lange nur spüren, aber nicht dingfest machen kann.

Vieles sieht allzu schön hergerichtet aus, zum Beispiel das gemütliche alte Steinhaus, das die Familie so lange schon nicht mehr betreten hatte. Auch ist das deutsche Ehepaar ungewöhnlich gut in die Dorfgemeinschaft integriert, als wäre es ständig dort. Diese besteht aber auch nicht aus Bauern, sondern offenbar eher aus Städtern auf Sommerfrische. Solche Details sind deutlich dem Wellnesscharakter des Films geschuldet, der auf Realitätsnähe weniger Wert legt.

Fazit: Die in einem südfranzösischen Dorf angesiedelte deutsche Beziehungskomödie "Stiller Sommer" verbindet sinnliche Freuden, humorvolle Dialoge und die raffinierte Aufdeckung eines Ehegeheimnisses zu einer entspannt dahinplätschernden Unterhaltung.




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