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Jacky im Königreich der Frauen
Jacky im Königreich der Frauen
© Neue Visionen © Pandastorm Pictures

Kritik: Jacky im Königreich der Frauen (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Jacky im Königreich der Frauen" richtet sich nicht bewusst gegen einen bestimmten Staat oder ein System, weshalb man diese bissige Satire auf religiös motivierten Fanatismus und alteingesessene Geschlechterrollen uneingeschränkt genießen kann. Es werden keine Namen genannt, keine Hinweise gegeben. Inszeniert wurde der Film von einem, der sich auskennt mit der arabischen Welt und dem gelebten Alltag in einem muslimischen Staat. Regisseur Riad Sattouf lebte selbst jahrelang in einem kleinen syrischen Dorf und kennt sich aus mit den Themen Islam und Rollenbild der Frau. Sattouf arbeitete bis vor wenigen Monaten noch für die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo". Wenn man sich auf die abgedrehte Story mit all ihren verrückten Momenten und Situationen einlässt, erlebt man eine der erfrischendsten, bissigsten Satiren der letzten Monate.

Wer ein Faible hat für höhnischen, zutiefst sarkastischen und politisch völlig unkorrekten Humor, ist hier sicher im richtigen Film. Im Staate Bubanne stehen die Rollenbilder Kopf, hier ist alles anders. Natürlich bedient sich Regisseur Sattouf auch etlicher Klischees, wenn er die Frauen als brutale Soldaten, staatstreue und vaterlandsliebende Militärs oder auch starrköpfige Politiker und Regierungsangehörige zeigt. Die Männer hingegen müssen sich komplett verhüllen, haben kaum Rechte, gelten gesellschaftlich praktisch nichts und haben sich nur um den Haushalt zu kümmern. Es sind viele Klischees, aber sie treffen in vielen muslimischen Staaten und (ehemaligen islamischen Diktaturen) wie z.B. Afghanistan, Syrien oder dem Irak schlicht und ergreifend zu. Natürlich nur auf umgekehrte Weise, aber genau das ist ja der Haupt-Clou des Films, dessen er sich bedient und dessen Grund-Prämisse ebenso zynisch wie genial ist.

Darüber hinaus strotzt der Film vor geistreichen Ideen und Einfällen, besticht durch ein unerwartetes, überraschendes Ende (wenn man denkt, es ist Schluss, steht die außergewöhnliche Final-Pointe noch aus) und einem Cast, der sichtlich mit viel Spielfreude zu Werke geht. Vor allem Charlotte Gainsbourg beweist (mal wieder) ihr Talent und Gespür für außergewöhnliche Rollen und zeigt, dass in ihr auch eine glaubhafte Komödiantin steckt. Aufgrund der gegenwärtigen ISIS-Machenschaften und weltweiten terroristischen Bedrohungen durch islamistische Hardliner, könnte der Film auch aktueller nicht sein. Und das, obwohl Sattouf das Drehbuch bereits vor sechs Jahren schrieb.

Fazit: Geistreiche, extrem sarkastische Persiflage auf gängige Rollenbilder und unterdrückte Sexualität in der muslimischen Welt.





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