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A Quiet Passion
A Quiet Passion
© Hurricane Films

Kritik: A Quiet Passion (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Schreiben ist ein innerlicher Vorgang, der nur schwer in Bilder gefasst werden kann. Deshalb sind Filme über Schriftsteller_innen immer ein heikles Unterfangen: Wie kann der Prozess, der zu dem Werk führt, gezeigt werden, wie können die Worte, die an seinem Ende stehen, in den Film Eingang finden?

In "A Quiet Passion" konzentriert sich Terence Davies ganz auf die Perspektive seiner Protagonistin, der berühmten amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (Cynthia Nixon), so dass ihr Umfeld, das Leben im Osten der USA im 19. Jahrhundert allein auf die Wirkung auf Emily beschränkt wird. Dadurch nimmt der Film insbesondere in der zweiten Hälfte, in der sich Emily ausschließlich in ihrem Elternhaus aufhält, fast kammerspielartige Züge an, die zum einen dafür sorgen, dass der Film nicht in die Nähe der typischen Jane-Austen-Adaptionen rückt, und zum anderen allerhand Anlass für clevere Dialogzeilen bietet, in denen Emily Dickinsons Ansichten und zunehmende Verbitterung Ausdruck finden.

Schon in der ersten Sequenz wird deutlich, dass Emily keiner Diskussion aus dem Weg geht. In dem strengen Mount Holyoke Female Seminary, das sie besucht, werden die Schülerinnen gebeten, sich aufzuteilen: nach rechts sollen diejenigen geben, die ihr Leben ganz Gott widmen wollen, nach links diejenigen, die sich noch nicht sicher sind, aber hoffen, dass sie den "rechten" Weg finden werden. Alle Mädchen entscheiden sich für eine Seite – außer Emily. Sie bleibt stehen und lässt sich auf eine Diskussion über ihren Glauben und die strikten Regeln, die ihr in der Glaubensausübung auferlegt werden sollen, ein. Immer wieder wird sie mit ihren Zweifeln und Überzeugungen anecken, sogar bei ihrem Vater (Keith Carradine), der sie sehr unterstützt und dem vor allem an Bildung sowohl für seinen Sohn Austin (Duncan Duff) als auch seine Töchter Vinnie (Jennifer Ehle) und Emily gelegen ist.

In seinem Film folgt Terence Davies dem Leben von Emily Dickinson ausgehend von dem College bis zu ihrem Tod. Es gibt wenige äußere Ereignisse, die hier zu schildern wären: sie lebte mit ihrer Familie in ihrem Elternhaus im Amherst Massachusetts bis zu ihrem Tod, hat niemals geheiratet und nur wenige Gedichte wurden zu Lebzeiten veröffentlicht. Deshalb konzentriert sich der gesamte Film vor allem auf Dialoge und Gespräche, die sich im Garten oder im Haus der Dickinsons abspielen. Hier zeigt sich Emilys Kampf für die Frauen, ihr Hinterfragen von Konventionen und Ansichten, aber auch ihr persönliches Hadern mit ihrem Aussehen und Ledigsein – sie bezeichnet sich selbst als "no-hoper". In den besten Szenen des Films entsteht dadurch ein Gespür für die inneren Qualen, die Emily Dickinson durchlitten hat. Das Schreiben wird hingegen vor allem auf nächtliches Federschwingen und tagtägliches Sitzen am Schreibtisch reduziert. Dadurch sind die Welt und die Worte von Emily Dickinson in dem Film zwar sehr präsent, ein Hadern mit dem Schreiben oder das Überarbeiten des Geschriebenen sucht man hingegen vergebens. Aber es sind auch Emily Dickinsons eigene Worte, die die berührendsten Momente des Films schaffen.

Fazit: Ein reduzierter und emotionaler Film über das Leben von Emily Dickinson, der eigenwillige Inszenierungen mit den Worten der Dichterin verbindet.





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