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Systemfehler - Wenn Inge tanzt - Hauptplakat
Systemfehler - Wenn Inge tanzt - Hauptplakat
© 20th Century Fox © Splendid Film

Kritik: Systemfehler - Wenn Inge tanzt (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Schon der betont schwungvoll gestaltete Vorspann lässt erahnen, dass sich die von Wolfgang Groos inszenierte Teenie-Komödie als deutsche Antwort auf den klassischen US-Highschool-Film versteht. Entsprechend vorhersehbar präsentiert sich dann auch der nachfolgende Handlungsverlauf. Neue Pfade werden in "Systemfehler – Wenn Inge tanzt" ganz sicher nicht beschritten. Vielmehr fügen die Autoren Thomas Winkler, Rainer Ewerrien und David Ungureit altbekannte – allerdings erfolgreich erprobte – Versatzstücke wie vollkommen gegensätzliche Hauptfiguren, Sorgen und Ängste junger Erwachsener, die Überwindung von Vorurteilen und eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte zu einem erzählerisch nicht immer überzeugenden Gesamtbild zusammen.

Die oftmals schematische Herangehensweise zeigt sich nicht zuletzt am Beispiel der beiden Protagonisten. Max ist der arrogante, gut aussehende und coole Mädchenschwarm, der vor keiner voreiligen Verurteilung zurückschreckt und andere Menschen meisterlich verspotten kann. Wie dieses Auftreten allerdings mit der angeblich systemkritischen und keineswegs oberflächlichen Attitüde seiner Band in Einklang zu bringen ist, lässt der Film leider offen. Anders als Max setzt sich Inge für die Gemeinschaft ein, weiß den Wert klassischer Musik zu schätzen und wird als resolute Öko-Aktivistin eingeführt. Während die männliche Hauptfigur eine innere Wandlung durchläuft, muss Inge sich einer optischen Veränderung unterziehen, um das volle Interesse des Bandleaders zu wecken. Aus der anfangs spießig gekleideten Schülerin wird nach und nach eine verführerische Rock-Göre, womit die Anlehnung an amerikanische Vorbilder einmal mehr Bestätigung findet.

Die zügige und launige Inszenierung – selten hält sich Regisseur Groos mit Nebensächlichkeiten auf – lässt über einige der angeführten Schwächen hinwegsehen. Wirklichen Charme entwickelt die Teenie-Komödie allerdings erst dann, wenn musikalische Einlagen in den Mittelpunkt rücken. Die für den Film komponierten Lieder – allen voran der titelgebende Song "Wenn Inge tanzt" – verfügen über eine erstaunliche Ausdruckskraft und schaffen es, auch dank der glaubwürdigen Darstellerleistungen, den Zuschauer mitzureißen.

Der größte Pluspunkt des beschwingten Treibens ist jedoch Alt-Rock-'n'-Roller Peter Kraus in der Rolle des schrulligen, aber liebenswerten Onkel Herb. Obwohl manche Seitenhiebe etwas zu deutlich ausfallen, hat seine Parodie auf das Schlagerwesen im Besonderen und die Musikbranche im Allgemeinen durchaus ironische Qualität. Nicht umsonst sind die witzigsten Szenen für den von Kraus verkörperten Sänger reserviert. Etwa wenn seine skurrile Todessehnsucht beim Besuch eines Bestattungsinstituts prominent ins Bild gerückt wird: Während Max auf seinen Onkel einredet, testet dieser ausgiebig verschiedene Särge, schließlich will er auf das vielleicht baldige Ableben vorbereitet sein. In solchen Momenten entfaltet der Film eine wohltuende Eigenständigkeit, die die berechenbare Geschichte ansonsten vermissen lässt. Wer einen zusätzlichen Höhepunkt der charmant-witzigen Nebenfigur "Onkel Herb" erleben will, sollte das Kino nicht vor Ende des Abspanns verlassen.

Fazit: Auch wenn die Teenie-Komödie "Systemfehler – Wenn Inge tanzt" nur selten von der abgenutzten Dramaturgie des amerikanischen Highschool-Films abweicht, sorgen die flotte Inszenierung, einige mitreißende Musikeinlagen und der betont augenzwinkernde Gastauftritt von Peter Kraus für ausreichend kurzweilige Unterhaltung.




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