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Journey to Jah
Journey to Jah
© www.journeytojah-film.com

Kritik: Journey to Jah (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Denkt man an Reggae, so denkt man zumeist an reine Feelgood-Musik. Unweigerlich steigen einem Bilder in den Kopf von fröhlich sich im Rhythmus ihrer Vibes wippenden Musikern mit dicken Dreadlocks und noch dickeren Joints. Doch Reggae ist nicht nur eine fröhliche Karibikmusik, sondern auch Ausdruck des religiösen Gefühls der Rastafari. Ihre Botschaft, die sie singend in der Welt verbreiten lautet "One Love & Unity" und "I and I" (statt "me and you"). Das auch immer wieder ausgerufene "Jah!" ist schlicht die Bezeichnung für Gott. Folglich bedeutet "Journey to Jah" "Reise zu Gott". Konkret ist hiermit in dem Dokumentarfilm des Schweizers Noël Dernesch und des Deutschen Moritz Springer die Reise von Gentleman und Alberosie nach Jamaika gemeint. Doch einmal dort angekommen, zeigt sich schnell, dass die Realität in diesem Paradies auch sehr hart und sehr gefährlich ist. Nicht umsonst sagt Alberosie: "God lives here. But Satan, too."

Das Leben in den Ghettos von Kingston ist laut Aussage von Gentlemans Freund Natty ein täglicher Kampf ums Überleben, bei dem man tatsächlich nicht dazu kommt über den aktuellen Tag hinauszudenken. Heute tut man, was heute zum Überleben nötig ist und wenn das geklappt hat, macht man morgen das Gleiche und so geht es immer weiter. Das Wichtigste sei es deshalb, einfach niemals aufzugeben! Und Natty muss es wissen, denn er wohnt bereits sein ganzes Leben lang selbst im Ghetto. Gentleman zufolge erscheinen ihm die große Armut und die hohe Kriminalität auf der einen, und der starke menschliche Zusammenhalt und die ausgeprägte Spiritualität auf der anderen Seite, wie zwei Seiten der selben Medaille. Das schwierige und gefährliche Leben auf der Insel bringt die Menschen mehr zusammen und führt dazu, dass man wirklich im Augenblick lebt.

Doch auch die Rastafari-und-Reggae-Kultur selbst hat ihre dunklen Seiten. Selbst viele Jamaikaner beklagen den oftmals starken Dogmatismus der Religion. Und Dancehall, die neuere und härtere Variante des Reggae predigt nicht mehr, wie der Roots-Reggae eines Bob Marley oder Peter Tosh, die Liebe unter allen Menschen, sondern ist der unverblümte Ausdruck der auf der Insel grassierenden Homophobie. So müssen mit der Zeit sowohl Gentleman, als auch Alberosie erkennen, dass ihre Reise zu Gott mit der bloßen Ankunft auf Jamaika noch nicht zu Ende ist. Gentleman meint deshalb irgendwann nachdenklich: "Das Paradies ist vielleicht kein Ort, sondern ein innerer Zustand."

Fazit: "Jouney to Jah" ist ein sehr gelungener Dokumentarfilm über Rastafari, Reggae und über Jamaika. Der Film zeigt zwar auch, dass der Teufel gerade auch im Paradies äußerst präsent ist. Das macht diese faszinierende Karibikinsel aber nur noch vielschichtiger und somit auch noch interessanter.




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