VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Djeca - Kinder von Sarajevo - Poster
Djeca - Kinder von Sarajevo - Poster
© barnsteiner-film

Kritik: Djeca - Kinder von Sarajevo (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In eindrucksvoll dokumentarischem Stil schildert die bosnische Regisseurin Aida Begic den Überlebenskampf eines verwaisten Geschwisterpaares im trostlosen, tristen Nachkriegsbosnien, das den Krieg noch längst nicht verwunden hat. Es war 1992, als die Unabhängigkeitsbestrebungen der jugoslawischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowina zu ersten Kämpfen führten. In den folgenden Jahren versank das Land im totalen Krieg, ganze Städte wurden zerstört und insgesamt knapp 100.000 Menschen verloren ihr Leben. Erst 1995 endete der Krieg mit der Anerkennung des unabhängigen Staates Bosnien und Herzegowina. Die authentischen, mit wackeliger Handkamera eingefangenen Bilder des zerstören Landes und die brillante Hauptdarstellerin machen "Djeca" zu einem bedrückenden Drama, dessen niederschmetternder Realismus zutiefst verstört.

Regisseurin Begic bedient sich eines intensiven dokumentarischen Stils, um das Leid der Menschen im immer noch zu weiten Teilen zerstörten Land zu verdeutlichen. Die Menschen kämpfen sich durch zerstörte Straßen, die Einschläge der Bomben und Granaten haben ihre sichtbaren Spuren hinterlassen. Es wird klar, dass die Menschen – 18 Jahre nach Ende der Kampfhandlungen – noch immer mit den Folgen der grausamen Zeit zu kämpfen haben. Die Stadt – in der die Handlung des Films angesiedelt ist – ist zerstört, geschunden und grau, die Leute darin wirken gebrochen und zutiefst verängstigt. Für den einnehmenden dokumentarischen Realismus des Films sorgen die trüben, bedrückenden Bilder, eingefangen von der wackeligen Handkamera des Kameramanns Erol Zubcevic. Inmitten dieser depressiven Stimmung versuchen die beiden Geschwister Rahima und Nadim ihr Leben zu meistern.

Besonders sehenswert wird "Djeca" durch seine charismatische Hauptdarstellerin Marija Pikic als Rahima. Die 23-jährige muss sich nach dem Tod der Eltern alleine um ihren 13-jährigen Bruder kümmern. Sie will dies aber auch tun, und das, so gut wie möglich. Deshalb arbeitet sie hart in einem guten Restaurant unweit ihrer Wohnung, um das Überleben zu sichern. Rahima ist eine große Heldin des Alltags, die alle Widrigkeiten und Probleme würdevoll und bewundernswert meistert. Auch, wenn sie unter den Boshaftigkeiten und Demütigungen ihres Umfelds schwer zu leiden hat. Dies wird besonders anhand ihres Chefs deutlich, dessen arrogantes Verhalten und Macho-Gehabe auf Dauer (auch für den Zuschauer) nur schwer zu ertragen ist. Oder in einer der eindringlichsten Szenen des Films, wenn die mürrische Dame vom Sozialamt dem Geschwisterpaar zu Hause einen Besuch abstattet, um zu prüfen, ob Rahima ihren Erziehungs- und Sorgerechts-Pflichten nachkommt. Wenn man als Zuschauer mit ansehen muss, wie die pedantische Frau selbst an der Qualität des Sofas etwas auszusetzen hat und am Ende die Prüfung mit dem Satz "Ich werde das melden müssen" beschließt, überkommt einen Wut und Ohnmacht.

Fazit: Eindringliches Drama über den Überlebenskampf eines Geschwisterpaares im Nachkriegsbosnien, dessen Realismus und Doku-Touch beeindrucken.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.