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Da geht noch was - Hauptplakat
Da geht noch was - Hauptplakat
© Constantin Film

Kritik: Da geht noch was (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die persönlichen Erfahrungen von Regisseur Holger Haase legten, so ist im Presseheft zu lesen, den Grundstein für die Generationenkomödie "Da geht noch was". So hatten sich die Eltern des Filmemachers nach vielen Ehejahren im fortgeschrittenen Alter getrennt und damit eine Reihe familiärer Verwicklungen entfacht. Drehbuchautor Jens-Frederik Otto goss diese Idee in eine entsprechend turbulent-witzige Vorlage inklusive tragischer Zwischentöne. Eine Überarbeitung erfuhr das Skript schließlich durch Hauptdarsteller Florian David Fitz, der seine erzählerischen Fähigkeiten bereits in "Vincent will Meer" (2010) unter Beweis stellen konnte und sich hier vor allem auf den Ausbau seiner Figur konzentriert haben dürfte.

Wie der Handlungsabriss bereits erahnen lässt, zielt das Kinodebüt des fernseherfahrenen Holger Haase auf die altbekannte Weisheit ab, dass man sich seine Familie beim besten Willen nicht aussuchen kann. Umso nervenaufreibender ist es, wenn man sich doch immer wieder mit ihr auseinander setzen muss. Obwohl Conrad es über die Jahre geschafft hat, den Kontakt zu seinem Elternhaus zu reduzieren und seinen eigenen Lebenstraum samt steiler Karriere, zielstrebiger Ehefrau und baldigem Eigenheim zu verfolgen, holt ihn die unverhoffte Trennung umso unsanfter auf den Boden der familiären Tatsachen zurück. Ausgerechnet sein unausstehlicher Vater, der ihm nie das Gefühl von Anerkennung gegeben hat, ist nun, wie es scheint, auf seine Hilfe angewiesen. Glaubt Conrad anfangs, er habe in seinem eigenen Leben alles besser gemacht als Carl, ist für den Zuschauer recht schnell ersichtlich, dass die beiden Streithähne einiges gemeinsam haben. Immerhin hat Conrad bei all seinem beruflichen Erfolg als Schubladendesigner vergessen, seinem Sohn Jonas ein guter Vater zu sein. Der pubertierende Junge besucht ein Internat mit ausgezeichnetem Ruf, wird mit Geld zufrieden gestellt, und doch fehlt ihm gerade ernstgemeinte Zuneigung.

Angesichts dieser recht formelhaften Figurenzeichnung sind die übergeordneten Entwicklungslinien bereits sehr früh absehbar: Der Kapitalist Conrad muss seinen Blick fürs Wesentliche schärfen und der ständig pöbelnde Carl seine menschliche Seite wiederentdecken. Auf dem Weg dorthin sammeln Nebenfiguren wie Jonas, Helene oder Tamara ebenso wichtige Erfahrungen, die auch bei ihnen zu einem positiven Erkenntnisgewinn führen.

Dass der Film trotz seiner wenig originellen Grundausrichtung insgesamt kurzweilig und amüsant zu unterhalten vermag, liegt zum einen an Haases flotter Inszenierung und zum anderen an den größtenteils spielfreudigen Darstellern. Vor allem das Duo Florian David Fitz und Henry Hübchen reibt sich immer wieder in urkomischen Wortgefechten auf und ist fraglos treffend besetzt. Den grantigen Patriarchen gibt Schauspielveteran Hübchen mit großer Leidenschaft, und auch sein junger Kollege weiß in der Rolle des erfolgreichen, aber fehlgeleiteten Familienvaters zu überzeugen. Wenngleich der große Bogen, den das Drehbuch schlägt, im letzten Drittel ein wenig überfrachtet erscheint und die familiäre Zusammenführung konservativen Mustern folgt, hält "Da geht noch was" gleichwohl eine Botschaft bereit, die viele Zuschauer gerne mit nach Hause nehmen dürften: Egal, wie verfahren sich die Familiensituation auch darstellen mag, es ist nie zu spät, Missverständnisse auszuräumen, Schuld einzugestehen und seine Haltung zu ändern.

Fazit: Holger Haases Kinodebüt ist zwar in seiner Anlage wenig innovativ, entwickelt sich aber dank gut aufgelegter Hauptdarsteller, pointierter Wortduelle und eines grundsätzlich flotten Tempos zu einem unterhaltsamen Generationenspaß, der tragisch-ernste Zwischentönen keineswegs unterschlägt.




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