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Kritik: My Beautiful Country (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Bayerischer Filmpreis für die Beste Nachwuchsregie, Bernhard-Wicki-Friedenspreis, Bester Debütfilm bei den Biberacher Filmfestspielen, Publikumspreis beim Berliner Favourites Film Festival – die Liste an Preisen und Auszeichnungen, die "My beautiful country" in diesem und im vergangenen Jahr gewonnen hat, ließe sich schier endlos fortsetzen. Der Film stammt von der kroatisch-serbischen Regisseurin Michaela Kezele, einer Absolventin der Münchener Hochschule für Film und Fernsehen. Mit "My beautiful country" gelingt ihr eine wunderbare Verschmelzung von Drama und Liebesfilm, der ohne viele Dialoge und mit einer reduzierten, einfachen Handlung auskommt. Er berührt den Zuschauer tief, vor allem dank der zwei durchschlagenden Hauptdarsteller.

Man wird Zeuge des zermürbenden Alltags der Kleinfamilie um Danica, die mit ihren beiden kleinen Söhnen in einem kleinen Dorf im Kosovo zu überleben versucht. Das einzige, was Danica möchte, ist, ein Stück Alltag und Normalität in das Leben der Drei zu bringen. Dieses Vorhaben gestaltet sich mitunter als fast unmögliches Unterfangen, schlagen wenige Hundert Meter weiter doch fast täglich die Bomben der Nato ein oder bekriegen sich die beiden Völkergruppen auf brutale Weise unweit des Wohnsitzes. Es sind die kleinen Gesten und leisen, unaufdringlichen Andeutungen und Momente, mit der Regisseurin Kezele dabei das Grauen des Kriegs für den Zuschauer deutlich und greifbar macht. So zeigt sich der Schrecken etwa in einer bedrückenden kurzen Sequenz, in der – wie selbstverständlich – einige Kinder des Dorfes einen stehengebliebenen Panzer erklimmen und ihn in ihre kindlichen (Kriegs-) Spiele einbauen. Oder wenn Danica in eindringlichen Szenen immer wieder darum kämpft, ihrem jüngsten Sohn einige Worte zu entlocken. Der kleine Junge hat seit dem Tod des Vaters aufgehört zu sprechen.

Hoffnung für Danica und ihre zwei Kinder keimt auf, als das Schicksal den verletzten albanischen Soldaten Ramiz in ihr Haus verschlägt. Hoffnung inmitten der Kriegswirren, die Aussicht auf ein Stück Liebe, Zuneigung und Wärme im trostlosen Alltag. Melancholie und leise Trauer schwingen im Zuge der sich entwickelnden Liebes-Bande zwischen Danica und Ramiz jedoch immer mit, da sich ein böses Ende abzeichnet und man als Zuschauer insgeheim fast zu jeder Zeit spürt, dass der Krieg keine Rücksicht auf zwei Liebende nimmt. Zrinka Cvitešić und Misel Maticevic sind in ihren Rollen stark, verleihen ihren Figuren Würde und Stärke. Cvitešić zeichnet dabei ein anrührendes, zerbrechliches Frauenporträt, das Gefangen nimmt. "My beautiful country" braucht nur wenige Dialoge, um Emotionen beim Zuschauer zu wecken. Und zwischen all den minimierten Augenblicken der Zärtlichkeit und Gefühle, streut Filmemacherin Kezele immer wieder epische, hübsche Landschaftsaufnahmen und -bilder ein, die kaum glauben lassen, dass sich diese Landstriche im weitgehend zerstörten Kosovo befinden. "My beautiful country" lässt niemanden kalt und kann ohne Zweifel zu den nachdrücklichsten, bewegendsten Dramen des ausgehenden Kinojahres gezählt werden.

Fazit: Emotional packendes, umwerfend gespieltes Liebes-Drama über den Überlebenskampf einer jungen Witwe in den Wirren des Kosovo-Konfliktes.





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