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Das Weiterleben der Ruth Klüger - Plakat
Das Weiterleben der Ruth Klüger - Plakat
© Kairos Film

Kritik: Das Weiterleben der Ruth Klüger (2011)


Die 1992 erschienene Autobiografie Weiter Leben. Eine Jugend, der 1931 in Wien geborenen Ruth Klüger wurde zum internationalen Bestseller. In diesem mehrfach ausgezeichneten Buch schildert die Holocaust-Überlebende ihre Kindheit in Wien, die Deportation in die Lager Auschwitz und Theresienstadt, die Flucht kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches, das Weiterleben in Deutschland und schließlich die Emigration in die USA im Jahre 1947. Wie der Titel bereits nahelegt, geht es um das Weiterleben, wenn man die Schrecken und Grausamkeiten des Holocausts am eigenen Leib erfahren musste. Der Film portraitiert die amerikanische Literaturwissenschaftlerin vor dem Hintergrund dieser Frage an den Orten, die ihr Leben bestimmt haben: Wien, Kalifornien, Göttingen und Israel. Ruth Klüger erzählt über ihr Leben im "judenkinderfeindlichen" Wien, über ihre Eltern, ihre eigene Rolle als Mutter von zwei amerikanischen Söhnen, über ihr Frausein und den Umgang mit Gedenkstätten und dem Gedenken.

Der Regisseurin Renata Schmidtkunz gelingt es in ihrem Film, den Fokus nicht nur auf die hoch angesehene Germanistin, erfolgreiche Autorin und engagierte Feministin zu legen, sondern auch auf die private Person. Ruth Klüger erscheint als Intellektuelle, die sich ihrer Aussagen bewusst ist. Jedes Wort scheint wohlüberlegt zu sein und sie steht dazu. Mit ihrer unsentimentalen Art analysiert sie ihr Leben, die komplizierte Beziehung zu ihrer Mutter, die Heimatlosigkeit und die Erziehung ihrer Söhne. Auch diese kommen zu Wort und sprechen offen darüber, wie es ist, Ruth Klüger als Mutter zu haben. Es ist ein ruhiger Film, der Zeit lässt, dass Gehörte aufzunehmen und zu verarbeiten. Es ist ein Film über eine Frau, die reflektiert und wertet. Dass zu dieser, auch subjektiven, Reflektion ihre Erlebnisse und Erfahrungen eine große Rolle spielen, wird offensichtlich. Und so bricht sie erwartete Gegensatzpaare auf und kombiniert sie neu, wenn sie beispielsweise am Beginn des Filmes sagt: "Der eigentliche Kontrast, der mich interessiert, ist nicht der zwischen Opfer und Täter, sondern der zwischen 'Opfer sein' und 'Frei sein'". Als Ruth Klüger nach Wien kommt, bemerkt man ihre emotionale Aufgeregtheit, die auch ihrem mitgereisten Sohn auffällt. Sie besucht die Stätten ihrer Kindheit und wird auf einer Gala geehrt. Diese Ambivalenz, die sie mit dieser Stadt verbindet, wird deutlich in dem Satz: "Wiens Wunde, die ich bin und meine Wunde, die Wien ist, sind unheilbar."

Wenn man es nicht schon vorher getan hat, wird man spätestens nach diesem äußerst informativen und auch bewegenden Film die Lust verspüren, die Lektüre ihrer Kindheitserinnerungen oder eines ihrer anderen Bücher zu lesen.

Fazit: Ein außerordentlicher Film über eine außergewöhnliche Frau. Die hochdotierte amerikanische Germanistin und Holocaustüberlebende spricht über ihr (Weiter)Leben. Unsentimental und realistisch beeindruckt diese biografische Dokumentation mit ihrer Klarheit.





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