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Markéta Lazarová
Markéta Lazarová
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Markéta Lazarová (1967)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

František Vláčils Historiendrama "Marketa Lazarová" ist eine faszinierende Monstrosität: Ähnlich, wie sein russischer Kollege Aleksey German in "Es ist schwer, ein Gott zu sein", entfaltet der tschechische Filmemacher in seinem Schwarz-Weiß-Film mit einer Laufzeit von fast drei Stunden ein düsteres mittelalterliches Panorama voller Dreck und Gewalt. Doch im Gegensatz zu dem in einen deprimierenden Dauerregen getauchten Film von German, findet sich in "Marketa Lazarová" inmitten all der Finsternis auch überraschend viel Schönheit, ja Erhabenheit. Auf virtuose Weise führt František Vláčil das Hässliche und das Bezaubernde zusammen zu einer unvermuteten höheren Einheit. Kein Wunder, dass dieser Film von 1967 bis heute unter tschechischen Kritikern als der Beste des Landes gilt.

Der auf einem Roman von Vladislav Vančura basierende Film spielt in einer düsteren Epoche voller struktureller und körperlicher Gewalt. Da werden dem Feinde aus reiner Rachsucht und Bosheit einfach die Arme abgeschlagen und da wird ausgerechnet die unschuldige angehende Nonne Marketa als Strafe für die mangelnde Kooperation ihres Vaters vergewaltigt. Dass sich Marketa später in ihren Peiniger Mikolás verlieben soll, ist hierbei symptomatisch für eine Welt, in welcher die Grenze zwischen Freund und Feind oftmals so schmal wie die Klinge eines Gliedmaßen zerschlagenden Schwertes ist. Denn egal, ob es sich um die heidnischen Räuber oder um die christlichen Anhänger des Königs handelt: Rache zählt den Männern in dieser Welt eindeutig mehr als Gnade.

Dabei kontrastiert Vladislav Vančura immer wieder das erbarmungslose Gemetzel der verrohten Männer mit der großen Schönheit, der von der Kamera sorgfältig eingefangenen landschaftlichen Panoramen. Auf Bilder voller Blut, Schweiß und Dreck folgen poetische Aufnahmen nackter Frauen inmitten der Natur. Dabei werden sowohl die Szenen voller entfesselter Gewalt als auch die Szenarien großer Harmonie noch deutlich in ihrer Wirkung gesteigert durch das intensive und oftmals geradezu hyperreale Sounddesign und durch die Musik voller entfesselter Kraft und ungehemmten Pathos. Vladislav Vančura erschafft ein ungefiltertes Panorama mittelalterlicher Befindlichkeiten und transzendiert die Geschichte zugleich hinein in den Bereich einer Parabel über den ewigen Kampf der lebensbejahenden Kräfte gegen die Mächte der Kontrolle und des Todes.

Fazit: "Marketa Lazarová" ist eine anstrengende, aber äußerst lohnenswerte Seherfahrung, wobei der Film weniger über eine klar nachvollziehbare Handlung, als über seine intensiven Bilder, Klänge und Stimmungen funktioniert.





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