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Das Mädchen und der Künstler
Das Mädchen und der Künstler
© Camino

Kritik: Das Mädchen und der Künstler (2012)


In großartigen Schwarz-weiß-Bildern erzählt Regisseur Fernando Trueba in seinem Film von der einzigartigen Beziehung eines Künstlers zu seinem Modell. Anfangs scheut sich Mercé (Aida Folch), vor dem Bildhauer Marc (Jean Rochefort) nackt zu posieren, doch nach und nach wird es für sie zur Normalität. Zugleich öffnet sich Marc der jungen Frau und erzählt von seiner Kunstauffassung. Dabei versuchen Trueba und sein Kameramann Daniel Vilar mit den Bildern zu verdeutlichen, wie der Bildhauer Marc Cros die Welt sieht: Am Anfang geht er durch einen Wald, betrachtet Bäume und Felsen, später sitzt er in einem Café und sein Vergnügen besteht darin, die Formen der vorbeigehenden Körper zu erfassen. Bereits die Entscheidung, den Film in schwarzweiß zu drehen, drückt die Kunst der Bildhauerei wunderbar aus: Jeder Schatten, jedes Schema ist zu erkennen, oft ist es möglich, sich auf die Konturen zu konzentrieren. Als Marc später im Film Mercé (Aida Folch) eine Zeichnung Rembrandts erklärt, wird indes deutlich, dass man nur im Ansatz erahnen kann, wie er die Welt wahrnimmt. Aber allein Truebas Spiel mit Schärfe und Unschärfe, Blick und Gegenblick sowie das stete Suchen des breiten Rahmens visualisiert das Verhältnis zwischen dem Künstler und seinem Modell auf der einen und zu der Welt auf der anderen Seite. Wie schon Jan Troell in seinem leider nie in den deutschen Kinos angelaufenem Film "Dom över död man" ("The Last Sentence") besticht "Das Modell und der Künstler" mit diesem meisterhaften Einsatz des Schwarzweiß, der so mühelos und natürlich erscheint, dass man fast übersehen kann, wie großartig die einzelnen Bilder sind.

Zugleich ist "Das Modell und der Künstler" ein Film über ein Leben mit der Kunst und dem Hoffen auf eine weitere Idee. Marcs Frau Lea (Claudia Cardinale) hat ihm einst Modell gestanden und hat ein sehr großes Verständnis für die Bedürfnisse ihres Mannes. Sie ahnt, dass Mercé in ihm die Leidenschaft und Inspiration neu entfachen kann. Tatsächlich bricht mit Mercé das Leben in das Künstler-Atelier ein, in das sich Marc während des Krieges zurückgezogen hat. Zunächst durchbricht ihr lautes Lachen die kontemplative Stille und sie beginnt Gemüse anzubauen. Dann erfährt Marc, dass sie dem Widerstand angehört und Flüchtlinge durch die Berge über die Grenze bringt. Mit Mercé bricht also auch die Realität des Krieges in sein Leben ein. Doch im Kern konzentriert sich Trueba auf die Beziehung von Marc und Mercé und wie viel Arbeit und verworfene Entwürfe zu einem Kunstwerk gehören. Dabei wird sehr deutlich, wie viel Kraft ein Künstler aus der Hoffnung zieht, noch einmal eine allerletzte Idee zu haben.

Fazit: "Das Modell und der Künstler" ist ein melancholischer und sehr ruhiger Film, der voller Bilder steckt, die man nicht so schnell vergessen wird.





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