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Canim Kreuzberg - Poster
Canim Kreuzberg - Poster
© Moviemento

Kritik: Canim Kreuzberg (2013)


Im Zentrum von "Kıymet" steht die 1937 geborene Kıymet Özdemir, die Großmutter der Regisseurin Canan Turan. Kıymet gehörte zur ersten Generation türkischer Einwanderer, die in dem Berliner Stadtteil Kreuzberg eine neue Heimat für sich und ihre Familie suchten. Nach Kreuzberg als Arbeiterin und Aktivistin für die Gleichberechtigung von Einwanderer-Familien gekommen, lebt die alte Dame heute wieder in ihrer türkischen Heimat, in einem kleinen Dorf an der thrakischen Mittelmeerküste. Dies ist auch der Ort, an dem der Film "Kıymet" seinen Anfang nimmt. Ruhig und gelassen erzählt Kıymet ihrer Enkelin von einer längst vergangenen Zeit, die vom täglichen Kampf um Gleichberechtigung und Akzeptanz geprägt war. Der Film wird dann am stärksten, wenn er die Emotionen seiner Protagonistin in den Mittelpunkt rückt. Diese treten vor allem beim Besuch von Kıymet in ihrer alten Heimat, Kreuzberg, zu Tage. Gemeinsam mit Turan streift sie durch die Kreuzberger Straßen und erinnert sich, wie sie von den 70ern bis in die 90er-Jahre für die Rechte von Kindern, diskriminierungsfreie Bildung und gegen Rassismus in Deutschland protestierte.

Heute sieht der Kampf der nachfolgenden Generationen um Gleichstellung freilich ganz anders aus. 2013 wird in Kreuzberg nicht mehr auf den Straßen offen protestiert. Heute spielen sich der Kampf und der Protest der türkischstämmigen jungen Menschen in der Kreuzberger Kultur -und Theaterszene ab. Diesem Phänomen widmet sich der zweite Film, aus dem dem "Canim Kreuzberg" besteht: "Bastarde" von Aslı Özarslan. Im Ballhaus Naunynstraße kommen engagierte Schauspieler und Kunstschaffende zusammen, um die deutsche Theaterlandschaft mit innovativen, spannenden Inszenierungen zu politisch-brisanten Themen durcheinanderzuwirbeln. In kurzen Einblendungen stellt "Bastarde" einige Stücke des interkulturellen Theaters vor und lässt neben einigen Schauspielern auch die Leiterin zu Wort kommen. In den Stücken geht es vornehmlich darum, die gegenwärtige Lebenswirklichkeit der heutigen Migrantengeneration darzustellen und für den heimischen, "deutschen" Zuschauer erfahrbar zu machen. Ein Mitglied des Ensembles bringt es dabei auf den Punkt: "Dass man mit Akzent spricht, heißt nicht, dass man mit Akzent denkt."

Fazit: Insgesamt gelingt es den beiden unterschiedlichen Filmen "Kıymet" und "Bastarde" sehr gut, ein facettenreiches und realitätsnahes Bild vom internationalen und multikulturellen Leben und Treiben im Berliner Stadtteil Kreuzberg zu zeichnen.





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