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Kritik: Soy Nero (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Regisseur Rafi Pitts weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, ein Wanderer zwischen den (Staaten)Welten zu sein. Er wurde 1967 im Iran geboren, während des Irak-Iranischen Krieges floh er nach England, wo er Film und Photographie studierte. Schließlich arbeitete er in Frankreich als Regieassistent.

In seinem sechsten Streifen befasst sich Pitts ebenfalls mit einem Weltenwanderer, dem Mexikaner Nero, der es sich zum Ziel gesetzt hat, US-Staatsbürger zu werden, indem er sich als so genannter "Green Card"-Soldat der US-Armee anschließt. Dass dies nicht die beste aller Ideen sein mag, deutet der der Regisseur mehr als an, als er zu Beginn des Films das Begräbnis eines solchen Soldaten zeigt: Bei allen militärischen Ehren - Witwe und Kinder haben wenig davon, dass ihr Vater in einem Sarg zurückkommt.

Pitts hat die Idee der "Green Card"-Soldaten fasziniert und der teilweise respektlose Umgang der US-Regierung mit ihnen - oftmals werden sie trotzdem abgeschoben - erzürnt, und er entschied sich, einen Film darüber zu drehen. Das Problem dabei ist, dass ihm keine überzeugende Geschichte eingefallen ist und er eigentlich drei Kurzfilme aneinanderreiht, um auf Spielfilmlänge zu kommen. Und während jeder dieser "Kurzfilme" für sich genommen amüsante und auch spannende Elemente erhält, wirkt das Unterfangen wie das klassische "von hinten durch die Brust ins Auge". Pitts nimmt einen Riesenanlauf, rennt einmal im Kreis herum, um wieder am Ausgangspunkt anzukommen, den er mit einer Widmung für die "Green Card"-Soldaten dann auch wirklich dem Letzten begreiflich machen will.

Am Anfang scheint es auf eine klassische Immigrantengeschichte herauszulaufen, als Nero über den Grenzzaun in die USA gelangen will, um sich zu seinem Bruder in Los Angeles durchzuschlagen. Als ihm das gelungen ist, setzt der zweite Teil des Dramas ein, der wie eine Variante des Laurel & Hardy-Kurzfilms "Duck Soup" wirkt. Dann auf einmal findet sich der Zuschauer im Irak wieder, wo sich Nero's Traum vom Dienst in der US-Armee erfüllt hat, dann aber zum Alptraum wandelt. Bevor der Film abrupt endet.

Hier und da gibt es amüsante Szenen mit überzeugenden Darstellern, und die Kameraführung von Christos Karamanis ist hervorragend - sei es, dass er ein Neujahresfeuerwerk über dem amerikanisch-mexikanischen Grenzstreifen einfängt, das beleuchtete Wasser eines Swimming Pools in einer Luxusvilla in Beverly Hills oder die flirrende Hitze in der irakischen Wüste. Aber all derweil müssen sich die einzelnen Teile schon strecken, um wiederum ihre Existenz zu rechtfertigen, und letztlich gehört "Soy Nero" zu den Filmen, die ihre gesellschaftspolitische Relevanz mehr behaupten, denn sie wirklich eindringlich zu zeigen.

Fazit: In seiner Aneinanderreihung von teilweise amüsanten und spannenden Sequenzen erfrischend unvorhersehbar, in seinem Inhalt indes wenig überraschend, mangelt es diesem Drama an einer wirklich übergreifenden interessanten Geschichte, mit dem es seine Botschaft transportieren kann.





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