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Kritik: Oben ist es still (2013)


Das von der niederländischen Regisseurin und Drehbuchautorin Nanouk Leopold inszenierte Drama "Oben ist es still" basiert auf dem gleichnamigen, internationalen Bestseller-Roman von Gerbrand Bakker, der sich allein in Deutschland knapp 70.000 mal verkaufte. "Oben ist es still" ist aufgrund seiner Thematik, der kargen Inszenierung und komplexen Charaktere alles andere als leichte Film-Kost. Leopold greift in ihrem Film schwierige und sehr persönliche Themen wie das Altern und familiäre Zerwürfnisse auf. Lässt man sich auf diesen intensiv gespielten Film ein, erlebt man große Schauspielkunst in einem berührenden Drama. Kleine Tragik am Rande: Hauptdarsteller Jeroen Willems erlebte die Premiere des Films auf der diesjährigen Berlinale nicht mehr. Er verstarb im Dezember 2012 an einem Herzinfarkt.

Nur sehr zögerlich entwickelt sich die Handlung in "Oben ist es still" und das Seelenleben der dargestellten Figuren wird nur bei genauem Hinsehen anhand von kleinen Gesten und einer auf das Nötigste reduzierten Mimik deutlich. Schon von Beginn an deutlich spürbar ist die belastete Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren. Helmer muss seinen schwer kranken Vater täglich pflegen, der Umgang der Beiden miteinander ist dabei von enormer emotionaler Kälte und Gleichgültigkeit geprägt. An dieser Stelle sei die intensive Darstellung von Jeroen Willems und Henry Garcin ausdrücklich betont. Ihr Spiel ist von einnehmender Präsenz und ungeheurer Wucht.

Wie kompliziert das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist, wird vor allem an einer Stelle deutlich. Ziemlich zu Beginn des Films kommen die Beiden auf den Tod des Zwillingsbruders zu sprechen. Der Vater verleiht seiner Trauer darüber mit den Worten "Es ist, als ob ich selber gestorben wäre" Ausdruck. Die ernüchternde Antwort des Sohnes darauf: "Und alles, was du noch hast, ist der falsche Sohn." Diese wenigen Worte bringen die eisige Beziehung zwischen Vater und Sohn auf den Punkt. Regisseurin Leopold streut in ihrem Film dabei immer wieder Verweise auf Helmers Homosexualität ein, die ebenfalls zum schwierigen Verhältnis der Beiden beigetragen haben könnte. Eine letztendliche Antwort auf diese Fragen liefert der Film aber nicht. Einen visuellen Gegenentwurf zu der reduzierten Inszenierung und der nur gemächlich fortschreitenden Handlung stellt im Übrigen die Lebhaftigkeit der Bilder dar, eingefangen durch eine sich munter umher bewegende Handkamera.

Fazit: Verstörendes, grandios gespieltes Drama über das angespannte, komplizierte Verhältnis eines Vaters zu seinem Sohn.




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