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Die Möbius-Affäre - Hauptplakat
Die Möbius-Affäre - Hauptplakat
© Prokino

Kritik: Die Möbius-Affäre (2013)


Eric Rochants "Die Möbius-Affäre" beginnt mit Bildern von Monte Carlo, die mit Chormusik unterlegt sind. Aber im Folgenden ist keineswegs eine epische Geschichte über gut und böse, richtig und falsch zu sehen, sondern vielmehr eine wenig gelungene Mischung aus Spionage- und Liebesfilm.

Die Ausgangsidee von "Die Möbius-Affäre" ist spannend und clever: Der russische Geheimdienst FSB heuert einen Spitzel an, der wiederum bereits für die Amerikaner arbeitet. Dadurch bildet sich ein Band, das – wie das Möbius-Band – kein Anfang und kein Ende, kein Innen und kein Außen hat. Alles ist Teil einer Geschichte. Doch schon der Zugang zu diesem auf den ersten Blick komplexen Plot ist schwierig, da zumindest in der synchronisierten Fassung vom CIA-Agenten bis hin zum russischen Oligarchen alle deutsch sprechen. Immerhin haben einige der Figuren einen russischen Akzent, allerdings erschwert diese sprachliche Gleichmacherei anfangs die Orientierung. Bald stellt sich allerdings heraus, dass die Geheimdienste ohnehin nur im Hintergrund eine Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht indes die Liebesgeschichte zwischen dem russischen Top-Spion Grégory (Jean Dujardin) und dem Spitzel Alice (Céline de France), die nichts von der Identität ihres Geliebten ahnt. Vielmehr hält sie ihn für den Journalisten Moïse und hält gleichermaßen geheim, dass sie CIA und FSB mit Informationen über den russischen Oligarchen Ivan Rostovski (Tim Roth) versorgt. Cécile de France und Jean Dujardin spielen die Hauptrollen gut und sie könnten auch als Liebespaar überzeugen – das zeigt beispielsweise eine Szene, in der sie heimlich miteinander telefonieren. Jedoch wird ihre Beziehung stark auf ihre physische Kompatibilität reduziert: minutenlang verharrt die Kamera erst auf ihrem ersten Kuss, später auf dem Gesicht von Alice, mit dem sie ihren zweifachen Orgasmus beim ersten Sex ausdrückt. Hinzu kommen hölzerne und beinahe lachhafte Dialogzeilen über starke Arme und wundersame Beischlaffähigkeiten, die ihrer Romanze Lebendigkeit und letztlich Glaubwürdigkeit entziehen.

Daneben fehlt dem Film eine Spannungskurve, es gibt noch nicht einmal Rückschläge in der Spionagegeschichte. Das ist umso erstaunlicher als in jedem der Themenkomplexe – Finanzkrise, Spionage, Romanze – grundsätzlich ausreichend Potential steckt, das haben Filme wie beispielsweise "Margin Call", "Dame, König, As, Spion" und Hitchcocks "Notorious" gezeigt, der offensichtliches Vorbild für "Die Möbius-Affäre" ist. Aber letztlich fehlen dem Film ein schlüssiges Drehbuch und ein Spannungsaufbau. Auch die anfangs angedeutete Komplexität im Plot verpufft in einer konventionellen Spionagegeschichte. Das ist insbesondere angesichts einiger gelungener Einstellungen bedauerlich. Wenn sich Alice und Grégory das erste Mal begegnen, nehmen sie Blickkontakt durch einen Spiegel auf. In diesem Bild liegt bereits eine Andeutung der Unmöglichkeit ihrer Beziehung und der irrigen Annahmen, auf der sie beruht. Aber letztlich überzeugt noch nicht einmal das viel zu späte Ende. Mehrfach mahnte Grégorys Chef, welche Folge falsche Entscheidungen für einen Spion haben. Aber selbst die treffen in diesem Film nicht ein.

Fazit: Trotz guter Besetzung und spannender Ausgangssituation langweilt "Die Möbius-Affäre" mit hölzernen Dialogen und fehlendem Spannungsaufbau.





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