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Stein der Geduld
Stein der Geduld
© Rapid Eye Movies

Kritik: Stein der Geduld (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

„Stein der Geduld“ beruht auf dem gleichnamigen, vor allem in Deutschland und Frankreich extrem erfolgreichen, gleichnamigen Roman von Atiq Rahimi. Rahimi ist ein französischer Schriftsteller und Dokumentarfilmer afghanischer Herkunft, der hier auch gleich sein eigenes Buch verfilmte. Der sogenannte „Stein der Geduld“ ist ein Bild, das der persischen Mythologie entstammt. Die Sage handelt davon, dass sich ein Stein solange alle Sorgen und Ängste eines Menschen anhört, bis dieser aufgrund der Last des Berichteten am Jüngsten Tag in tausend Stücke zerbricht. Die Rolle des Steins übernimmt hier der im Koma liegende Mann, dem seine Frau nach wochenlanger Pflege ihr Herz ausschüttet und ihn mit ihrem Leid konfrontiert. „Stein der Geduld“ ist ein herausragend gespieltes, erschütterndes Drama geworden, das mit einer reduzierten Inszenierung punktet und weder pathetische Szenerien noch bildgewaltige Kulissen oder Settings braucht, um den Zuschauer ins Mark zu treffen.
Regisseur Rahimi benötigt nicht viele Stilmittel oder Elemente, um sein kammerspiel-artig umgesetztes Drama voll zur Entfaltung zu bringen. Im Mittelpunkt des Films steht eine namenlose, hübsche Afghanin, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in ärmlichsten Verhältnissen in einem kleinen, heruntergekommenen Haus lebt. Es herrscht Krieg und der Alltag der Menschen im Dorf ist bestimmt von permanenter Angst um das eigene Leben und das ihrer Lieben. Um den Schrecken der Menschen deutlich zu machen, benötigt „Stein der Geduld“ dabei keine ausufernden Kriegsszenen oder ins Bild gerückte Kampfhandlungen. Stattdessen zeigt der Film verängstigte Dorf-Bewohner, die in ihre Keller fliehen, wenn wieder einmal neuerliche Angriffe der Regierungstruppen oder der Taliban drohen. Oder man hört das schreckliche Geräusch explodierender Bomben oder Granaten, während die Kamera lediglich die Gesichter der in den Kellern nach Schutz suchenden Menschen in Großaufnahme zeigt.
Vornehmlich geht es „Stein der Geduld“ aber darum, die Ungerechtigkeiten und Demütigungen gegenüber Frauen in islamischen Gesellschaften zu verdeutlichen und anzuprangern. Hauptdarstellerin Golshifteh Farahani verkörpert eine junge Afghanin, die stellvertretend für ein ganzes Geschlecht steht, dem in der islamisch-patriarchalischen Gesellschaft fast keinerlei Rechte eingeräumt werden. Frauen werden dafür verantwortlich gemacht, wenn sie unfruchtbar sind, müssen sich mittels einer Burka in der Öffentlichkeit komplett verhüllen und werden von ihren Männern als Eigentum ohne Rechte und eigene Meinung angesehen. Den Unmut darüber müssen die Frauen freilich unterdrücken. Es sein denn, sie geraten in eine Situation, in der sich die Hauptdarstellerin in diesem Film befindet. Ihr ganzer Frust bricht sich erst dann Bahn, als ihr Mann im Koma liegt und er sich willenlos all ihre Nöte und die Wut über die jahrelange Unterdrückung anhören muss. Er wird zu ihrem „Stein der Geduld“. Die Leistung von Hauptdarstellerin Golshifteh Farahani ist dabei herausragend, ihr Spiel in dieser regelrechten Ohnmachtssituation ist derart einnehmend, das man sich den intensiven, emotional vorgetragenen Monologen als Zuschauer nicht entziehen kann – und auch nicht will.

Fazit: Herausragend gespieltes, kammerspiel-artiges Drama, das mit reduziertesten Mitteln und ohne viel Pathos Mitgefühl beim Zuschauer hervorruft und die Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen in islamischen Gesellschaften anprangert. 4 Sterne.





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