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Eisheimat
Eisheimat
© mindjazz pictures

Kritik: Eisheimat (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die deutsche Regisseurin Heike Fink begab sich auf die Suche nach einigen dieser Frauen, die ihr Glück damals in der Ferne suchten. Sechs von ihnen - heute alle deutlich über 80 - berichten in Finks Langfilm-Debüt "Eisheimat" über ihre entbehrungsreiche Zeit als Landarbeiterinnen, wieso sie sich überhaupt für einen Neuanfang in einem unbekannten Land entschieden haben und wie sie das Heimweh überwanden. Heraus kommt eine spannende und emotionale Auswanderinnen-Bilanz, die fast ausschließlich von den hochinteressanten Ausführungen der alten, sympathischen Damen lebt. "Eisheimat" kommt dabei mit einer sehr einfachen Struktur und Umsetzung aus. Der Film besteht fast aus ausschließlich aus den Interviews mit den Frauen, nur selten folgt die Kamera den Betroffenen an die Orte ihrer Vergangenheit. Dieser reduzierte Stil tut dem Film außerordentlich gut und stellt das ins Zentrum, worauf es Filmemacherin Fink ankommt: über sechs ganz unterschiedliche, individuelle Frauen-Schicksale in der Nachkriegszeit aufzuklären, die bis heute fast unbekannt sind.

Obwohl der Film zu weiten Teilen nur aus "Talking Heads" besteht und die Interviews nur hier und da unterbrochen werden von malerischen Aufnahmen der imposanten isländischen Landschaften mit ihren Fjorden und weiten Feldern, kommt in "Eisheimat" niemals Langeweile auf. Das liegt an zwei Dingen: Zum einen an dem, WAS die Frauen erzählen und zum anderen, WIE sie es tun. Ohne Verbitterung, Verzweiflung oder Wut im Bauch berichten sie auf emotionale Art von den schweren Anfangszeiten auf einer für sie unbekannten Insel, Verständigungsproblemen und der harten Arbeit auf dem Land. Aber auch die Schwierigkeiten mit den Ehemännern und die Probleme, überhaupt eine Liebe fürs Leben zu finden, kommen zur Sprache. Und eines wird anhand der Erzählungen schnell deutlich: so unterschiedlich die jeweiligen Lebensgeschichten auch gestrickt sein mögen, eines hatten die Auswanderinnen doch stets gemein: ein Leben voller Entbehrungen, das sie sich aber so angenehm wie möglich gestalteten.

"Eisheimat" überfordert den Zuschauer dabei nicht durch zu viele Informationen und Erlebnisberichte auf einmal, da die immer wieder eingestreuten Bilder der prächtigen Landschaften für eine Atempause und angenehme, melancholische Ruhe sorgen - beim Zuschauer aber auch bei den Erzählerinnen. In langen Einstellungen stehen die Frauen inmitten der Felder und Wiesen - viele aufgrund des hohen Alters vom Partner oder durch einen Rollator gestützt - und blicken in die Ferne, während sie sich wahrscheinlich an die turbulenten Jahrzehnte als Einwanderer in einem fremden Land erinnern. Diese leisen Momente gehören zu den gefühlvollsten Augenblicken des zu Herzen gehenden Films.

Fazit: Offen, sympathisch und hochemotional erzählen sechs über 80-jährige deutsche Frauen, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Leben als isländische Landarbeiterinnen begannen.




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