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Tanta agua - Nichts als Regen - Plakat
Tanta agua - Nichts als Regen - Plakat
© drei-freunde

Kritik: Tanta agua - Nichts als Regen (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Tanta Agua – Nichts als Regen" wurde von den beiden Regisseurinnen Ana Guevara Pose und Leticia Jorge Romero aus Uruguay inszeniert. Die gefühlvolle Tragikomödie über eine Kleinfamilie und ihre Alltags –und Kommunikationsprobleme sowie das Thema "Erwachsenwerden" lief bereits bei der diesjährigen Berlinale in der Sektion "Panorama". "Tanta Agua" ist ein kleines Meisterwerk voller Tragik und Tiefgang, das ohne große Dialogpassagen auskommt und von seinem bärenstarken Ensemble lebt.

"Tanta Agua" kommt ohne viel Dialog und eine wendungsreiche Handlung aus, ist aber dennoch über die gesamte Laufzeit seiner 100 Minuten zu keiner Sekunde langweilig oder langatmig. Das liegt auch daran, dass einem die im Film auftretenden (wenigen) Vorkommnisse und Situationen bekannt vorkommen. Schnell wird klar, dass aus dem Urlaub, der die Familienmitglieder eigentlich näher zusammenbringen sollte, nur ein Desaster werden kann. Und hier ist der Untertitel des Films, "Nichts als Regen", Programm: Das immer währende Dauer-Gewitter, das im Film als Sinnbild für die angespannte, trostlose Stimmung innerhalb der Kleinfamilie steht, sorgt dafür, dass die Aktivitäten der drei Urlauber extrem eingeschränkt sind. Die viel zu enge Ferienwohnung – lediglich ein winziger Raumteiler trennt das Bett von Alberto vom Hochbett seiner Kinder – sorgt neben dem Sauwetter für weitere Verschlechterung der Stimmung. Demnach treffen die Sorgen, Nöte und Bedürfnisse der Hauptpersonen auf wenigen Quadratmetern ungebremst aufeinander, was freilich nur zu bösen Blicken und Streitereien führen kann.

Dabei kommt der Film mit wenig Dialog aus. Die Regisseurinnen Pose und Romero erwarten hingegen von ihren Zuschauern, die Szenen und Geschehnisse auf der Leinwand genau zu beobachten und auf Kleinigkeiten, etwa in Gestik und Mimik der handelnden Personen, zu achten. In einer Szene des Films stehen Vater, Tochter und Sohn vor dem Swimmingpool der Anlage, der aufgrund des Unwetters geschlossen bleibt. In ihren deprimierten Gesichtern spiegelt sich die ganze Enttäuschung über den Verlauf des Urlaubs und die trüben Aussichten. Der Film ist voller solcher leiser, mimischer Andeutungen, die es genau und aufmerksam zu beobachten gilt. Besserung tritt erst mit dem Auftreten von Susanna und Santiago ein. Die neuen Figuren tun dabei nicht nur Lucía, die am meisten unter der Situation leidet, sondern auch dem gesamten Film gut, der dadurch frischen Wind erfährt.

Ein großes Lob gebührt auch den sympathischen Darstellern. Vor allem die Jung-Schauspieler Malú Chouza als Lucía und Joaquín Castiglion als jüngerer Bruder Frederico sind brillant. Chouza überzeugt als pubertierendes, melancholisches Mädchen, das mit den Problemen des Erwachsenwerdens zu kämpfen hat. Castiglion verkörpert großartig den kleinen Bruder, der sich eines extrem kindischen, für den Zuschauer dabei aber oft witzigen Verhaltens bedient, um den Urlaub ohne größere Schäden zu überstehen.

Fazit: Brillante Jung-Darsteller und die gefühlvoll-leise, auf mimischen Andeutungen basierende Inszenierung, die mit wenigen Dialogen auskommt, machen aus "Tanta Agua" ein kleines Filmjuwel.




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