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Kritik: Beware of Mr. Baker (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Ursprünglich Klavier- und Trompetenspieler, wechselte Ginger Baker Mitte der 50er-Jahre ans Schlagzeug. 1966 gründete sich auf seine Initiative hin die "Supergroup" Cream, mit Eric Clapton an der Gitarre und Jack Bruce am Bass. Bis heute wird Baker am ehesten mit dieser Formation in Verbindung gebracht, die als erstes "Powertrio" in die Geschichte der Rockmusik einging. Ende der 60er-Jahre war es mit Cream vorbei und Baker wechselte zur nächsten "Supergroup", Blind Faith. Diese Band verließ der exzentrische Musiker jedoch bereits nach wenigen Monaten wieder. Bis in die 90er-Jahre kamen unzählige Gastspiele und Engagements in diversen Bands und Formationen hinzu, etwa in der Baker Gurvitz Army (Mitte der 70er-Jahre), bei Hawkwind (1980) oder dem Ginger-Baker-Trio (1994-1996). Mit seinem energiegeladenen, impulsiven Drum-Spiel setzte er neue Maßstäbe in der Populärmusik und wurde schnell zum Idol und Vorbild vieler nachfolgender Drummer-Generationen. Seine Drogen- und Alkohol-Exzesse ließen ihn jedoch immer wieder abstürzen und die erfolgreiche Karriere gefährden.

Es sind auch in erster Linie diese beiden Aspekte und Facetten – die Brillanz bzw. Vielschichtigkeit seines Schlagzeug-Spiels sowie das ausschweifende Rockstar-Leben – die durch die gelungene Doku "Beware of Mr. Baker" deutlich werden. Viele Original-Aufnahmen von Konzerten vermitteln einen Eindruck davon, mit welcher Hingabe und Ekstase Baker in seinem impulsiven, fast aggressiven Spiel versank. Zu sehen gibt es z.B. Szenen mit seinen beiden "Cream"-Kollegen Clapton und Bruce, die nochmals den Höhepunkt in der Karriere von Baker aufleben lassen, ein legendäres Zusammenspiel mit dem Saxophonisten und Afrobeat-Begründer Fela Kuti oder auch einige ausladende Drum-Soli, für die Baker berühmt-berüchtigt war. Dazwischen baut Regisseur Bulger immer wieder erhellende Interview-Passagen mit Weggefährten und Musiker-Kollegen (Carlos Santana, Lars Ulrich, Stewart Copeland von "The Police" u.a.) ein, die ihre Sicht auf das Ausnahmetalent Ginger Baker schildern und zu erklären versuchen, wie Bakers virtuose Fähigkeiten am Instrument überhaupt möglich sind.

Neben Bakers musikalischer Begabung am Schlagzeug verdeutlicht der Film aber auch, welche Probleme der Musiker immer wieder mit Alkohol und Drogen und – vermutlich daraus resultierend – in zwischenmenschlichen Beziehungen hatte. Vor allem über seinen Heroin-Konsum verlor der Musiker schon in relativ jungen Jahren die Kontrolle. Dazu gingen im Laufe der Jahrzehnte vier Ehen in die Brüche und bei seinen Bands (sechs an der Zahl) hielt er es auch stets immer nur wenige Jahre aus, wenn überhaupt. Dass Baker in all der Zeit weder sein heißblütiges Temperament noch seine ausufernden Wut-Anfälle einbüßte, musste Regisseur Bulger am Ende seines Besuches im Baker-Domizil in Südafrika am eigenen Leib erfahren. Bulger hatte die falsche Frage gestellt und wurde daraufhin von Baker mit einer gebrochenen Nase abgestraft, was gleich zu Beginn des Films zu sehen ist. Ein erfrischend außergewöhnlicher Einstieg in eine Doku. Den Grund für Bakers Wutanfall erfährt der Zuschauer dann am Ende dieses unterhaltsamen, kurzweiligen Films.

Fazit: Die großartig unterhaltende Musiker-Doku gewährt einen intensiven Einblick in das ausschweifende, maßlose Leben einer Schlagzeuger-Legende.




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