Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Naked Opera (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Christlieb gelingt ein zunächst nicht uninteressanter Film über einen schrulligen Charakter und dessen ganz spezielle Eigenheiten. Im Laufe der Zeit wird jedoch immer weniger deutlich, ob es sich bei dem Film nun tatsächlich um eine Dokumentation, also das auf Tatsachen und realen Handlungen basierende, abgefilmte Leben des Protagonisten handelt, oder ob eben doch die inszenierten Spielszenen überwiegen. Zudem verwirren die visuellen Spielereien des Films zunehmend, die sich letztlich nur als störende Elemente erweisen und krampfhaft versuchen wollen, eine Verbindung zwischen der tragischen Figur Rollingers und Don Juan aus der Mozart-Oper herzustellen.
Die Hauptfigur Marc Rollinger erweist sich durchaus als passender Protagonist für einen solchen Film. Auf den ersten Blick wirkt er mehr wie eine fiktive, aus einem Roman stammende Figur, weniger als eine real existierende Person. Er lebt einen exzentrischen, ausschweifenden Lebensstil, dabei immer auf der Suche nach Liebe. Diese kann er sich jedoch nur kurz in Form von blonden, muskulösen Escort-Boys erkaufen. Dazu kommt die schwere Auto-Immunerkrankung, an der er seit seiner Kindheit leidet und die seine Knochen zunehmend brüchig werden lässt. Er weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt, und dass er seine Träume lieber nicht aufschieben und eher heute als morgen auf sein Glück bestehen sollte. Im Laufe des Films gelingt es Regisseurin Christlieb dann zunehmend, sich dieser komplexen, vielschichtigen Figur zu nähern. Schien er zu Beginn noch unnahbar, kaum greifbar und ungeheuer cholerisch, beginnt diese Fassade bald zu bröckeln. Der Zuschauer erfährt bald mehr über seine tragische Erkrankung, seinen Glauben, die Homosexualität und den jahrelangen Kampf, echte Liebe zu finden.
Trotz dieser ungemein spannenden Figur Marc Rollinger, fällt vor allem in der zweiten Hälfte des Films immer mehr auf, dass eine Unterscheidung zwischen Doku und Fiktion kaum mehr möglich ist. Die Verschiebung der Realitätsebenen macht es für den Zuschauer fast unmöglich herauszulesen, was authentisches, reales Verhalten, und was gespielte Szenerie ist. Ein weiteres Ärgernis sind die unzähligen visuellen Stilmittel, denen sich Christlieb bedient. Seien es die sprunghaften Bildübergänge, die unzähligen Zeitraffer oder die Bild-in-Bild-Montagen – sie sind lediglich störendes Beiwerk und verzichtbare optische Spielereien, die der Handlung und Dramaturgie des Films mehr schaden als ihnen gut zu tun.

Fazit: Faszinierendes Porträt eines schrulligen, fesselnden Charakters, das am Ende an seinen visuellen Mätzchen und den optischen Spielereien scheitert. Zudem wirken der Hauptdarsteller und sein Umfeld vor allem in der zweiten Filmhälfte unauthentisch und konstruiert – für eine Dokumentation schlichtweg fatal. (Bewertung: 2 Sterne)




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.