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Kritik: A Long and Happy Life (2013)


Der junge Sascha (Alexander Yatsenko) leitet im Norden Russlands eine ehemalige Kolchose als Kartoffelfarm. Die Behörden wollen, dass er ihnen diese abtritt gegen eine Abfindung. Hört man den Plot soweit, denkt man schnell an globale Problematiken wie Spekulation, dubiose Investmentgeschäfte und Vertreibung der Bevölkerung zugunsten einer mächtigen Maschinerie. Doch der Regisseur Boris Khlebnikov hat einen Film über menschliche Schicksale und menschliches Verhalten inszeniert. Sascha nimmt das Angebot zuerst an, es scheint nicht schlecht zu sein. Er möchte sowieso lieber mit seiner Geliebten Anya (Anna Katova) in der Stadt ein neues Leben beginnen. Doch dann überreden ihn die Dorfbewohner, das Angebot auszuschlagen und für den Betrieb, die einzige Lebensgrundlage des Dorfes, zu kämpfen. Symbolhaft wird die solidarische Einheit im Kampf gegen die Mächtigen beschworen. Selbst von Waffengebrauch ist die Rede. Scheinbar gegen seinen eigenen Willen lehnt Sascha das Angebot der Behörde ab. Doch die Gemeinschaft der Mitstreiter Saschas minimiert sich zunehmend. Wer Alternativen in Aussicht hat, geht. Sascha steht letztlich allein da und es kommt zum tragischen Showdown.

Khlebnikov hat keinen Film über mutigen Widerstand gedreht. Vielmehr einen über verzweifelte Auflehnung. Eine Auflehnung die bricht, wenn man nicht gezwungen ist, sich aufzulehnen. Über menschliches Verhalten in existentiellen Notlagen, das nicht oft hehre Ziele verfolgt und das schon Brecht mit den Worten: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“ beschrieb. Den Hintergrund für all das bildet der schöne aber raue Norden Russlands mit einer grünen Bergkulisse und einem malerischen, klaren Fluss. Auf Musik wurde völlig verzichtet und den Soundtrack bilden die Naturgeräusche. Die Szenen sind allerdings oft sehr lang und die Dialoge auf ein Minimum reduziert. Das verleiht dem Film eine Langsamkeit, die am Ende kaum noch auszuhalten ist. Ein bisschen mehr Tempo hätte keinesfalls geschadet.

Fazit: Mit beeindruckenden Naturaufnahmen ist „Ein langes und glückliches Leben“ das Psychogram eines Mannes, der Entscheidungen getroffen hat, die er nicht treffen wollte. Über das Verhalten von Menschen in existentiellen Notsituationen. Leider zieht sich der Film in die Länge und verlangt sehr viel Geduld vom Zuschauer.





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