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Hayatboyu - Lifelong
Hayatboyu - Lifelong
© Peripher

Kritik: Hayatboyu - Lifelong (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein Ehepaar, das alles hat und dem doch das Glück durch die Finger rinnt, steht im Zentrum dieses wortkargen Dramas. Es ist nach "Men on the Bridge" der zweite Spielfilm der türkischen Regisseurin und Drehbuchautorin Asli Özge, die in Berlin lebt. Sein minimalistischer Stil spiegelt die unterkühlte Atmosphäre in dieser Ehe, die in eine tiefe Krise gerät. Denn Ela und Can, die so erfolgreich und angesehen sind, hängen an ihrem gut eingerichteten Alltag und kehren störende Gefühle lieber unter den Teppich. Ela registriert die Anzeichen des Alterns in ihrem Gesicht und an ihrem Körper mit Sorge. Aus ihren Blicken spricht die Frage, wie sehr sie von der Wertschätzung ihres Mannes abhängig ist.

Das Besondere an diesem Film ist weniger die Geschichte an sich, sondern sein erzählerischer und visueller Stil. Es wird sehr wenig gesprochen, die Kamera beobachtet vor allem Ela in den verschiedenen Situationen ihres Alltags, die sie routiniert durchläuft. Die Arbeit, die Abendessen mit Freunden, ein Besuch der Tochter, das gewohnte Nebeneinander mit Can in der schönen Wohnung: Alles ist stets in bester Ordnung. Ela und Can haben die Selbstbeherrschung zum Prinzip erhoben, sie steht für Intellektualität, Eleganz, Lebensstil. Als Zuschauer bleibt man immer ein Stück weit im Ungewissen, was in Ela und Can wirklich vorgeht. Dass Can eine Geliebte hat, wird nur angedeutet, und die kleinen Irritationen, die sich in diese oberflächlich harmonische Ehe einschleichen, bleiben isoliert. Zum Beispiel schläft Ela plötzlich auf der Couch, aber zu einer Aussprache, oder besser, zu einer simplen, kurzen Mitteilung, was sie weiß und was sie will, kommt es erst später. Die Kamera forscht oft in Elas Gesicht, das so verhärmt wirkt, wenn sie ernst ist, und so jung und zuversichtlich, wenn sie lächelt. Defne Halman spielt die angespannte Selbstkontrolle dieser Frau beeindruckend nuanciert.

Die helle Wohnung mit ihrem modernen, extravaganten Design spielt eine große Rolle, denn sie ist für ihre Bewohner längst wichtiger als ein lebendiger Austausch. Ela hat offenbar verlernt, sich in Worten auszudrücken, und spricht über ihre Kunst: Sie lässt einen schweren Felsbrocken von einem Kran herabhängen, direkt über dem Glasdach eines Ausstellungsraums. Die drohende Gefahr symbolisiert wohl den Zustand ihrer Ehe. Man muss viel Geduld aufbringen für diesen Film und seine ausgeprägte Lust an der Tarnung und der nur leicht gekräuselten Oberfläche. Letztlich steht man vor der Frage, ob es sich hier überhaupt um ein Drama handelt, wenn die beiden Charaktere selbst alles tun, um diesen Eindruck zu vermeiden.

Fazit: Das unterkühlte, wortkarge Ehedrama handelt von unterdrückten Gefühlen, die im scheinbar geordneten Alltag einer Istanbuler Künstlerin nur stören. Die übergroße emotionale Zurückhaltung der Charaktere bremst auch die Spannung des Films etwas aus.




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