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I Used to Be Darker
I Used to Be Darker
© Arsenal Distribution

Kritik: I Used to Be Darker (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In ihrem sehenswerten Independentfilm "I used to be darker" erzählen Regisseur Matthew Porterfield ("Putty Hill") und Drehbuchautorin Amy Belk in ruhigen Tönen und authentischen Dialogen von der Auflösung einer Familie. Gemeinsam mit Taryn wird der Zuschauer in diese Situation geworfen, deren Komplexität sich in sehr ruhigen, langen Szenen nach und nach entfaltet. Dabei gibt es keine melodramatischen Ausbrüche, sondern der Film behält von der ersten bis zur letzten Minuten eine melancholische Grundstimmung bei. Dazu trägt vor allem die äußerst präzise Kamera bei, durch die der Zuschauer ein teilnehmender Beobachter dieser schmerzhaften Veränderungen wird. Er begleitet das alltägliche Auf und Ab dieser Familie, den Wechsel von hellen und dunklen Momenten, die ohne große Dramatik und Erlösung im Leben erfolgen. Darauf spielt bereits der Titel des Films an, der aus dem Song "Jim Cain" von Bill Callahan stammt: "I used to be darker, then I got lighter, then I got dark again / Something too big to be seen was passing over and over me.” Genau das erlebt diese Familie nun: Sie gehen durch die dunkle Phase der Trennung einer Beziehung, aber irgendwann wird es wieder heller werden. Denn so ist das Leben nun einmal.

Musik spielt eine wichtige Rolle in diesem Film – Kim und Bill spielten einst gemeinsam in einer Band, die Rollen werden zudem von den Musikern Kim Taylor und Ned Oldham verkörpert. Die Texte der im Film vorkommenden Songs stehen oftmals im direkten Bezug zu der Handlung, sie erweitern den Interpretationsraum und vermitteln eine größere Nähe zu den Figuren als die spärlichen Dialoge. So wird beispielsweise durch eine kleine private Session des weitgehend wütenden, mitunter destruktiven Bill sein ganzer Schmerz, aber auch seine Verlorenheit sehr deutlich, während Kim in mehreren Songs ihre Rolle als Mutter reflektiert.

Neben Kim Taylor und Ned Oldham überzeugen Deragh Campbell und Hannah Cross in ihren Rollen als pubertierende Teenager bzw. junge Heranwachsende. Sie verkörpern eine bestechende Mischung aus Unreife und Verständnis, Wut und Zuneigung. Im Zusammenspiel dieser vier guten Schauspieler entfalten sich die jeweiligen Beziehungen untereinander, die wechselnden Zuneigungen, die Streitigkeiten, Versöhnungen und intimen Momente völlig natürlich auf der Leinwand. Dadurch glaubt man diesem Film in jedem Moment, dass es – dem Song von Bill Callahan folgend – auch wieder besser wird, ehe es abermals dunkel wird.

Fazit: "I used to be darker" ist ein feiner Independentfilm aus den USA, der sehr ruhig von einer Trennung erzählt und mit seinem Soundtrack, seiner Kamera und seinen Schauspielern überzeugt.




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